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Von Julian ist auch hier die Rede

 

Julian 
berichtet von Peters und Charlottes allmorgendlicher Geräuschkulisse (die er allerdings anders bezeichnet)

Mir sind viele alte Erinnerungen an Peter durch den Kopf gegangen. Eine
Anekdote stammt aus den Schmidt-Podehlschen Skiurlauben in Andeer. Irgendwann
war ich so alt, dass ich aus Platzmangel aus dem Schmidtschen Appartement
ausquartiert wurde und dann auf dem Sofa im Podehlschen schlafen sollte.
Das war abends wunderbar. Ich konnte solange lesen, wie ich wollte, und habe
ganze Bücherberge verschlungen. Morgens musste ich dann allerdings ein dickes
Fell beweisen.
Peter war immer der erste, der wach wurde, und sich dann an den Wohnzimmertisch
setze, um zu schreiben. Peter ist häufig schon morgens um fünf oder sogar
noch früher wach gewesen. Das war seine liebste Zeit zum Schreiben. Oft erst
zwei, drei Stunden, nachdem ich das Buch weggelegt und schlafengegangen war.
Das kleine Licht und das Kratzen auf dem Papier waren beruhigend und
gemütlich. Ich bekam sie zwar am Rande meines Bewusstseins mit (sonst könnte
ich das ja auch jetzt nicht aufschreiben). Aber ich konnte dabei gut
weiterschlafen.
Dann wurde irgendwann Charlotte wach. Jetzt kamen immer mehr Geräusche dazu.
Peter machte ihr etwas zu trinken und brachte es ans Bett. Dabei hörte ich
schon Flüstern aus dem Schlafzimmer.
Als Charlotte dann aufgestanden war, konnte Peter weiterschreiben, während
Charlotte die frühe Morgenstunde nutzte, um schon das Mittagessen
vorzubereiten. Dabei begannen dann auch ihre so vertrauten Gespräche
miteinander, aus Rücksicht auf mich im Flüsterton geführt. Da sie ja auch
etwas voneinander verstehen wollten, fand das Flüstern in einer der deutlich
lauteren Varianten statt. Ich konnte jedes Wort klar und deutlich verstehen –
von der anderen Seite des Raumes. Ein Sprechen mit gesenkter Stimme wäre
wahrscheinlich leichter zu überhören gewesen. Ich zog mir die Bettdecke über
den Kopf.
Dann begann bald die letzte und lauteste Stufe des Vor-Morgens: Der Dampftopf.
Wie zur Steigerung des Zischelns beim Flüstern wurden die Kartoffeln in einen
alten Dampftopf gesperrt, so einen mit großer Schraube auf dem Deckel, der dann
auf dem Herd bald zischelte, dann zischte, bis er schließlich mit allen ihm
zur Verfügung stehenden Teilen klapperte. Die Bettdecke konnte ja auch
mehrlagig über dem Kopf liegen. An mehr als ein Dösen war aber schon lange
nicht mehr zu denken.
Ich muss schmunzeln, wenn ich an dieses allmorgendliche Klangritual vor dem
Skifahren zurückdenke: das Kratzen auf dem Papier, das Tuscheln und dann das
Zischen und Klappern. Es hat nicht jeden Tag Kartoffeln gegeben. Aber gefühlt
war jeden Tag der Dampftopf in Benutzung. Was wohl noch alles darin gekocht
wurde…?

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