Feed on
Posts
Comments

Jörg Wisbeck

Noch mehr Erinnerungen

Zurück zum Blog

 

Jörg Wisbeck
Bühnenbildner und – ein wenig wider sein Wesen  – Schauspieler, u.a. spielte er Jakopp in Jakopp und Elisabett.

Peter schreibt über ihn:

Der Wisbeck-Schrank

Jakopp und Elisabett überlegen, was sie sich wohl mit den vielen Knoten an den Taschentüchern alles merken wollten

Viel, viel, viel taucht hier jetzt auf aus dem Haus Aretinstraße. Dämliches Verb: das taucht nicht auf, das hat Claudia alles verpackt und nun packt sie es nach und nach aus. Heute kamen die große Standuhr und der Wisbeck-Schrank an. Die waren natürlich nicht verpackt. Den Schrank hat uns Jörg mal geschenkt. Wie haben wir den aus dem Allgäu nach München gebracht? Als unsere Küche gemalert wurde, fragte der Maler nach der Farbe der Schränke innen. „Rosa,“ sagte Charlotte ungerührt. Ich erschrak, aber es war wunderschön. Der Wisbeck-Schrank mit dem hohen Spiegel ist innen heute noch rosa. (Wie sollte er nicht?) An Jörg Wisbeck gerieten wir durch Kurt Wilhelm, der machte das Bühnenbild für ADAGIO unseligen Angedenkens. Das handelten wir im Café Annast am Hofgarten aus.  Jörg war Maler, Bohemien (der letzte in Schwabing?), Traumtänzer, etwas rätselhaft, wie er überhaupt am Leben blieb. Ein herzensguter Mensch von 1 Meter 92 Länge mit unzähligen Frauengeschichten, die festeste Bindung war die an eine sehr schöne, große Frau, Bini gerufen, die ihn gerne geheiratet hätte. Aber da war er nicht zu sprechen. Daran scheiterte die Bindung auf Dauer. Sie blieben wohl gute Freunde. Irgendwann zog sie ins Hessische, hatte eine Position beim ZDF. Jörg und wir blieben in beruflicher Beziehung lange lange Zeit. Er war dann doch sehr zuverlässig und hatte schöne Ideen für die Ausstattung. Für den ersten Bücherschrank, den ich für den WDR drehte – PETER SCHLEMIHL mit Werner Uschkurat – malte er schöne Dekorationen. Das hatte dann auch immer Hand und Fuß. Unvergessen, wie ich die Sachen, die er in der Schleißheimerstraße, wo er in einer Atelierwohnung wohnte, angefertigt hatte, von dort nach Allach in ein Tonstudio brachte, mit dem VW-Käfer, auf dem Dach. Aber der Fahrtwind fuhr darunter und zerbrach einiges. Satyrsp.: Jörg war Sylvester mal ein wenig angeschickert, ging in ein Haus, klingelte bei wildfremden Leuten und lallte in amerikanischem Akzent: „So, da freut ihr euch aber, dass euer guter Onkel John aus Amerika gekommen ist.“ Er setzte sich aufs Sofa und – trank weiter. Die Leute hatten einige Mühe, ihn wieder aus der Wohnung zu kriegen.

Und Claudia erinnert sich, wie Jörg Wisbeck eines Tages in unserer Wohnküche in der Aretinstraße bei Tisch saß und genüsslich stockernst erzählte, am 1. April habe er eine Sahnebonbonfabrik angerufen und mit feinem Beamtenbayrisch erklärt, er sei der Verwahrer am Münchner Hauptbahnhof. Da seien bereits seit einigen Tagen die zwei Sahneziegen bei ihm in der Verwahrung, wann die denn nun endlich abgeholt würden. Die Verpflegung der Tiere würde ja schließlich viel Geld und Mühe kosten und je länger sie da bei ihnen in der Verwahrung bleiben müssten, desso höher wären dann die Kosten bei Abholung. Er sei dann von Pontius zu Pilatus verbunden worden, erzählte er, und immer wieder habe er mit dem gleichen trockenen Beamtenbayrisch von vorne angefangen: “Ja Grüß Gott, hier ist Semmelmeier von der Verwahrungsstelle am Münchner Hauptbahnhof, mir ham da die zwei Sahneziegen …”

Noch mehr Erinnerungen – Zurück zum Blog

Leave a Reply