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Marameiè

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Marameié

“Ah, marameié,” sagt sie und geht an mir vor bei auf die beiden Frauen zu, die neben mir stehen.

Das “a” ist eigentlich mehr ein offenes “o”.

Die ältere der beiden Frauen antwortet: “Marameié,” und alle drei nicken einander in ihr Schicksal des Wartens ergeben an.

Mah, denke ich vor mich hin, ‘marameié’, was mag das wohl sein? Aber unter den Dreien, Mutter, Tochter und der neu Hinzugekommenen, alle mit dunklem Kopftuch, scheint gutes Einvernehmen zu bestehen.

Eine Schweigeminute vergeht.

“Was ist marameié?” fragt die Mutter. Auch ihr “a” ist eher ein offenes “o”.

“Ja,” sagt die Hinzugetretene, “ist das …” und deutet, die geschlossenen Fingern nach oben gestreckt, Handfläche nach innen, zwischen sich und der Fragenden hin und her. Dabei nickt sie und lacht.

“Ist ‘kalt’?” rät die Mutter.

Stimmt, denke ich, oben sind 16 Grad unter Null.

“Naja, ist das …”, nickt die andere freundlich lächelnd weiter.

“Habe Hunger?” fragt nun die Tochter mit einem kräftig ausgesprochenen “g”.

Die Nickende lässt sich nicht beirren: “Ist das, jaja, so …” und deutet weiter zwischen allen dreien hin und her und lächelt gewinnend.

Da wird’s der Mutter endlich klar: “Ist Gruß! Ist ‘Guten Tag’?”

Die U-Bahn töst herein.

© Claudia Podehl

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