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Eine Liebesgeschichte

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Zum Buch

“Die Frau an seiner Seite”

von
Heribert Schwan
Heyne

 

Eine Liebesgeschichte
Macht war Kohls Job. Dafür war er geboren, dafür hatte er einen unfehlbaren Instinkt, dem wir die Wiedervereinigung Deutschlands verdanken.
Den Mächtigen umgeben viele von ihm selbst ausgewählte, zuverlässige – sprich treue – und kompetente Mitarbeiter. Und das Volk von Möchtegernen, Neidern, Intriganten, Opportunisten, Schmeichlern und all denjenigen, die von der Macht profitieren wollen, also auch Männern, die in jeder Hosentasche stets ein fesches Bündel Geldnoten parat haben und damit ihre raschen Geschäfte machen, und totschick auftretenden Frauen, die zweckmäßigerweise gleich mal Slip und BH zuhause gelassen haben. Für dieses Völkchen hat der Mächtige magnetische Wirkung, und er tut gut dran, ihr politisches Gewicht ernst zu nehmen, denn sonst ist er die Macht im Handumdrehen wieder los. Die Moral ist eine der Komponenten im Kräftespiel der Macht.
Hinter jedem bedeutenden Mann steht eine bedeutende Frau. Und das war Hannelore. Sicherlich war sie ihm eine unverzichtbare Stütze, außerhalb der politischen Fadengespinste, in die sie, da sie nun mal seine Frau war, trotz allem mit einbezogen wurde. Mag sein, dass er einiges nicht gesehen hat, aber welcher Ehemann ist denn schon so perfekt. Ich plädiere hier nicht für eine einsame Frau, die immer nur im Schatten ihres Mannes gestanden und unglaublich gelitten hat. Sie hatte einen Job, der ihr aus ihrer Ehe erwuchs, und den hat sie akzeptiert und wirklich gut gemacht. Und dafür hat sie auch eine Menge Lorbeeren geerntet. Es war bestimmt kein langweiliges oder inhaltsloses Leben.
Zur Macht gehört zuletzt auch der Abstieg. Und der ist immer ein verdammtes Problem, denn in dem Moment schwenkt das oben beschriebene Völkchen rasch um zu neuen Mächtigen, und manch einer kann es sich eben nicht verkneifen – warum sollte er auch – mal ein Paar Hiebe auf den nun nicht mehr Mächtigen runterrasseln zu lassen, aus dessen Teller er bis vor fünf Minuten selbst noch gegessen hat.
Was Kohl unter anderem nicht gesehen hat, war, dass seine Frau keine so dicke Haut hatte wie er. An der Schlammschlacht nach seinem Ausstieg ist sie zugrunde gegangen. Die Vergewaltigung wird von manchem Kommentator überbewertet, sie war in den Kriegs- und ersten Nachkriegsmonaten Gang und Gäbe, wie alle andere heute nur noch aus den Fernsehberichten möglichst ferner Länder zu uns klingende Gewalt an Männern, Frauen und Kindern in Kriegszeiten; die russischen Männer rächten sich für das, was die deutschen Männer in ihrem Land angerichtet hatten. Die deutschen Frauen erlitten auch dies und manche (sicherlich etwas ältere Frauen als Hannelore damals war) sagten: lieber einen Russe auf dem Bauch als die Amis über dem Kopf (die bombardierten nämlich). Solche Logik ist nach 65 Jahren Frieden, Freiheit und Wohlstand nicht nachvollziehbar.

Wir alle haben dieser Frau viel zu verdanken.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass solche Bücher geschrieben, und dass sie auch gelesen werden. Mag sein, dass der Verfasser ein wenig in Hannelore Kohl verliebt war. Das ist doch immer die schönste Motivation, um tätig zu werden. Mag sein, dass er manchmal langatmig schreibt, etwas zu sehr auf die aus Frau Kohls Depressionen in den letzten Jahren hervorgehende negative Tube drückt. Mag sein, dass das Lektorat überhaupt nicht funktioniert hat. Unprofessionell, der Verlag. Aber das Buch gibt – ohne Gemeinheiten und Hinterhältigkeiten – Aufschluss über viele bisher unbekannte Hintergründe und Zusammenhänge aus dem Leben zweier Menschen, die die Geschichte Deutschlands tiefgreifend geprägt haben.

© Claudia Podehl

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