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Juni 2006

München, am Dienstag, den 20. Juni 2006, 17 Uhr 30

Ich bin unmöglich!

Ich behandle geneigte Leser mit einer solchen Nachlässigkeit, dass es zum Himmel stinkt. Ich erzähle am 23. Mai, 17 Uhr 30 ein kleines Rätsel und bitte um Lösungen in meinem Gästebuch. Zwei geneigte Leser raten richtig. Aber ich bestätige das nicht. Ich schreibe keinen Blog mit der Lösung. Ich lasse die geneigten Leser zappeln. Ganz späte Wiedergutmachung. (Schönes Wort, nicht?) Ich wiederhole:

Jeden Tag kriegt Jedermann 96 Stück geschenkt. Jeden Tag muss Jedermann 96 Stück wieder hergeben. Man kann sie nicht sehen oder hören, nicht schmecken, nicht riechen und auch nicht tasten. Aber man kann sie messen. Was ist das?

Viertelstunden. In 24 Stunden stecken 96 Viertelstunden.

                                       Bis bald, Ihr Blogger 84

 

München, am Donnerstag, den 15. Juni 2006, 17 Uhr 15

Wieder ein Fernsehspiel

vollgesuppt mit Musik. Eine schlimme schlechte Angewohnheit, als hätten die Komponisten ein Abkommen mit Regisseuren und Produzenten getroffen: Musik, wenn die Heldin die Düne entlanggeht oder gar im Galopp reitet, wenn die Kommissarin in Gefahr gerät, wenn es auf den spannenden Höhepunkt zuläuft, wenn die Autojagd beginnt und endet. Sie verscherzen sich den Effekt, den Musik bei wohldosiertem Einsatz haben könnte, sie überdecken Dialoge zum Nachteil des Autors (und des etwas  schwerhörigen Konsumenten), sie misstrauen den Erzählqualitäten ihrer Bilder und Gespräche.

Vollends unangenehm wird es bei Dokumentarsendungen. Nein, der Kosmos braucht keine Musik, ebensowenig die Wüste oder der Dnjepr.

Ich bin gewiss kein Purist, ich habe ja selbst oft genug am Schneidetisch oder bei der Ton-Mischung meiner Produktionen gesessen: Musik kann wunderbare große Hilfe sein, kann Schwächen oder sogar Misslungenes aufmöbeln und bessern.

Aber in Maßen und nie, um die Stille zu übertünchen…

                                       Bis bald, Ihr Blogger 84

 

München, am Mittwoch, den 14. Juni 2006, 17 Uhr 30

Mit Schaudern

lese ich von antisemitischen Farbigen, die ihr Unwesen in Paris treiben. Neger tyrannisieren Juden. Das ist ja nun jenseits meiner masurischen Herkunft. Was geht da vor? Geneigter Leser weiß von meiner Unterschrift, dass ich 84 Jahre alt bin. Ich habe also die Judenverfolgungen der Nazis noch sehr genau in Erinnerung. Nein, ich habe sie nicht hautnah miterleben müssen. Wir hatten jüdische Freunde, die sich einigermaßen in irgendeine Sicherheit bringen konnten. Ich musste nicht in Russland auf Juden schießen. Aber solch glimpfliches Davongekommensein macht doch nicht immun gegen solches Schaudern.

Immer wieder stelle ich mir vor, was ich sagen würde, begegnete ich so einem Rassisten. Ich weiß es nicht, das macht mich ganz verzweifelt. Ich verstehe ihn nicht. Aber er wird mich doch erst recht nicht verstehen! Ich kann doch nicht davon ausgehen, dass meine Ansichten ihm geläufig sind. Vergessen wir den Mut, den es braucht, mit so einem Mann zu kommunizieren. Reden wir davon, dass mein geliebter Hölderlin-Satz vom ‚Wir sind ein Gespräch‘ überhaupt keine Bedeutung, kein Gewicht hat! Wir blieben also sprachlos. Ob in den Augen sich etwas abspielte? Vielleicht in Gesten, Körpersprache? Ich muss meinen Packen weiterhin schleppen und mit dem Fragezeichen enden.

                                       Bis bald, Ihr Blogger 84

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