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Juli 2006

München, am Mittwoch, den 5. Juli 2006, 17 Uhr 30

Mir gefriert

das  Herz, wenn ich lese: ‚Ich übergebe dem Feuer: Anne Frank.‘ So gesprochen anlässlich einer Sonnwendfeier von einem Neonazi am 24. Juni 2006 in dem Dorf Pretzien an der Elbe in Sachsen-Anhalt. Wie bitte? Ja. Die Jüdin Anne Frank starb 1945 fünfzehnjährig einen entsetzlichen Tod im KZ Bergen-Belsen. Nun übergibt man sie über 60 Jahre später dem Feuer. Ihr Tagebuch, ja. Aber wohl selten war ein Tagebuch so hautnah der Schreiberin verhaftet wie bei Anne Frank. Wer ruft denn, dass es nicht wahr sei? Niemand! Gibt es wirklich keine Schamgrenzen der Rohheit und Dummheit?

Mir gefror das Herz, als ich vor ein paar Jahren einen ‚Weihespruch‘ von Ernst Bertram zur Bücherverbrennung der Bonner Universität am 10. Mai 1933 las. Darin die Zeile: ‚In die Flamme mit was euch bedroht.‘ Er gehörte zum Kreis um Stefan George. Was mag der erlauchte Dichterfürst zum Deutsch in dieser Zeile gesagt haben? ‚…mit was euch bedroht.‘ Nebenbei: Die brennenden Bücher des Erich Kästner, waren ja wohl ganz besonders bedrohlich. Der junge Mann war – 1933 nicht mehr! – ein Freund von Thomas Mann, schwul ziemlich sicher. Um so mehr hätte er sich vor der Nazi-Barbarei fürchten müssen. Oder war sie Zuflucht? Und ist alles viel komplizierter, als man zunächst denkt?

Nein, von Bonn nach Pretzien, das ist eine gerade Linie der Barbarei über 60 Jahre. Und in diesem Land lebten wir und – viel schlimmer! – leben wir. Lasst uns wachsam sein und bleiben!

                                       Bis bald, Ihr Blogger 84

 

 München, am Dienstag, den 4. Juli 2006, 17 Uhr 30

Der Schiller

hat  uns Hörern und Lesern ja auch ganz schön was zugemutet.

Da schreibt er in der berühmten Königinnen-Szene mit Maria Stuart und Elisabeth:

‚D e r  Ruhm war wohlfeil zu erlangen:

Es kostet nichts, die a l l g e m e i n e  Schönheit

Zu seyn, als die gemeine seyn für A l l e !‘

Leute, Herr Studienrat, wer soll denn das verstehen? Wo soll man denn mit diesem ‚Als‘ hin? Die beste Reaktion spricht die gute Mary Stuart selbst aus, die daraufhin sagt:

‚Das ist zu viel!‘

Ja, die Elisabeth hat ja wohl auf gewisse Gerüchte über Hurereien angespielt. Aber ich finde – wer bin ich, dass ich über unseren großen Schiller zu Gericht sitzen darf? -, diese Wortspielerei mit ‚Allgemein‘ und ‚Gemein‘ und ‚Alle‘ höchst problematisch. Das müsste rote Lehrertinte fließen.

Naja, die beiden Königinnen sind einander in der wirklichen Historie nie begegnet. Schwamm drüber.

                                       Bis bald, Ihr Blogger 84

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