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Peter Podehl über sich selbst 1948

 

Kammerspiele der Städtischen Bühnen Nürnberg-Fürth

Spielzeit 1948/1949

 

Flyer zum Stück

 

“Kommen und Gehen”
von
Peter Podehl

Der Autor:

Ich bin noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Wie soll ich denn da ein Blatt über mich vollschreiben?

Dass ich geboren wurde, steht außer Frage. Eines Januarnachmittags 1922 erblickte ich das vom Elektrizitätswerk Berlin gelieferte Licht der Welt. In Berlin wuchs ich auf. Fast ein Jahr ging ich in London zur Schule (englisch akzentfrei). Kurz nach der Erkenntnis, dass Taxichauffeur doch nicht der ideale Beruf sei: Durchbruch der Liebe zum Theater. Allerdings bin ich erheblich belastet durch Lieder, die meine Mutter sang und Drehbücher, die auf meines Vaters Schreibtisch lagen.

“Schauspieler ist kein Beruf”, sagte mein Vater, zahlte aber trotzdem das Schulgeld für die Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin und später die es Burgtheaters in Wien. Nach meinem schauspielerischen Debut am Burgtheater (einen Satz hatte ich zu sprechen, den die Nazi streichen ließen; aus politischen, nicht künstlerischen Erwägungen!) und im Theater in der Josephstadt (keinen Satz hatte ich zu sprechen, nur auftreten musste ich, röcheln und schon sterben), packte mich die deutsche Wehrmacht.

Sie – nein, das Schicksal war gut zu mir. Mit unwahrscheinlichem Glück brachte ich Jugoslawien, Italien, Krieg einschließlich Ende und Heimkehr nach Wien hinter mich. Ich sagte Akrobaten und Tänzerinnen bei den Amis an (s.o.: englisch akzentfrei), war Schauspieler und Regisseur an einer Edelschmiere, besuchte kurz die kaputte Heimat und landete schließlich am Nationaltheater in Weimar. Hier lernte ich die Schauspielerin kennen, für die ich die Eva in “Kommen und Gehen” schon geschrieben hatte und in ihr den Menschen, den ich heiratete. Zusammen halfen wir, damit mein schriftstellerischer Erstling das Rampenlicht der Welt erblicken konnte. Ich hatte zwar schon – etwa seit der Zeit des oben erwähnten Taxichauffeurs – einige Jugendsünden (schriftstellerischer Art) zu Papier gebracht, aber nicht vor die Öffentlichkeit. Nun habe ich doch ein Blatt über mich vollgeschrieben! Viele noch unbeschriebene Blätter – nicht etwa über mich – liegen noch vor mir.

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