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Entre act 4

TUTOU, im Gang, behindert vom aufgeschnallten Rucksack, macht die Tür auf zu seinem Abteil, ohne gleich zu merken, wer drin sitzt, will den Rucksack abmachen.

JUNGE 1 schließt die Tür gleich wieder:

„Besetzt!“

TUTOU erkennt die Diebe:

„Hei, ihr seid doch die – “

DAS MÄDCHEN öffnet die Tür:

„Kannst ruhig reinkommen.“

TUTOU empört sich, geht dann rein:

„Tut doch nicht so dämlich! Ich weiß doch ganz genau, dass ihr mir meinen Zaster geklaut habt.“

JUNGE 2:

„Na und?“

TUTOU, einigermaßen verblüfft:

„Was heißt Na und?“

JUNGE 1:

„Viel war das ja nicht.“

DAS MÄDCHEN:

„Hast du Hunger?“

TUTOU:

„Ja, klar, und ihr seid die Diebe.“

JUNGE 2:

„Sags doch dem Schaffner.“

TUTOU:

„Der Zug hat keinen Schaffner mehr.“

JUNGE 1,ganz logisch:

„Na siehste. Was willstn machen gegen uns Drei?“

TUTOU:

„Gibt ja wohl noch Bahnpolizei.“

JUNGE 1:

„Die hat andere Sorgen als deine paar lausigen Kröten.“

JUNGE 2:

„Sie räumt die Kiffer ab. Im hintersten Wagen ist einer am Krepieren.“

LAUTSPRECHERDURCHSAGE, weiterhin defekt:

„Z-ückblei-en!“

Ein mächtiger

/eigentlich nur akustischer Ruck, akzelerierend (von Güterbahnhöfen bekannt, wenn ein Zug zusammengeschoben wird und die Puffer aufeinander knallen)/

lässt

TUTOU samt Rucksack auf.

DAS MÄDCHEN fallen, das sehr bereitwillig die Arme öffnet.

TUTOU, eigentlich etwas deplaciert:

„Oh, entschuldige bitte!“

DAS MÄDCHEN, genüsslich, scharf auf Tutou:

„Brauchst dich doch nicht entschuldigen. Bleib sitzen, aber mach das Ding ab.“

TUTOU nimmt den Rucksack ab und verstaut ihn im Gepäcknetz.

DAS MÄDCHEN:

„Damals war der Rucksack kaputt.“

TUTOU:

„Der hält jetzt für immer und ewig.“

DAS MÄDCHEN:

„Undn Apfel haste mir geschenkt.“

TUTOU:

„Die sind alle.“

Er weiß nicht, was er mit er Aufforderung, sich auf ihren Schoß zu setzen, tun soll.

DAS MÄDCHEN weidet sich breit grinsend daran, dann:

„Komm. Trau dich. Bist ja’n Leichtgewicht. Da hatte ich schon ganz andere Säcke auf mir drauf.“

TUTOU muss auch grinsen, zögert, schaut Jungen 1 an, aber da kommt kein Zeichen.

DAS MÄDCHEN:

„Willst du mir weh tun?“

TUTOU spontan, ehrlich:

„Nein.“

DAS MÄDCHEN, dunkelstimmig:

„Dann setz dich.“

TUTOU setzt sich auf ihren Schoß, was durch seine Verlegenheit nicht ganz ohne Komik abgeht.

DAS MÄDCHEN hat, was es zunächst wollte und bleibt ganz indifferent.

JUNGE 1, nach einer Pause, unerwartet:

„Steh auf!“

TUTOU möchte rational bleiben:

„Aber sie hat doch extra gesagt – “

JUNGE 1, unzugänglich:

„Steh auf!“

TUTOU tut das, leise kopfschüttelnd.

DAS MÄDCHEN:

„Was gehorchstn dem – wien Hund mit angelegten Ohren?“

TUTOU lächelt verlegen, schaut aus dem Fenster.

DAS MÄDCHEN:

„Siehst schön aus, wenn du grinst. Brauchst du gar nicht so geil aus dem Fenster zu glotzen. Bist du schwul?“

TUTOU findet das eher eine Zumutung:

„Nein!“

DAS MÄDCHEN:

„Hätt ja sein können. Möchte wissen, warum du dich dann nicht setzt?…“

JUNGE 1:

„Ich kann die Schwulen nicht leiden.“

TUTOU:

„Ich sag doch: bin ich nicht.“

JUNGE 1:

„Dann tu, was sie sagt.“

TUTOU hat einige Mühe mit der Irrationalität:

„Aber du hast mir doch eben erst ges- “

JUNGE 1 schneidet ihm das Wort pampig ab:

„Wenn du meine Puppe nicht schön findest, setz ich dir Sterne auf die Augen!“

TUTOU muss sich dauernd rechtfertigen:

„Aber ich find sie ja schön!“

DAS MÄDCHEN:

„Echt?“

TUTOU, ehrlich, lächelnd:

„Echt…“

DAS MÄDCHEN:

„Mann, dein Lächeln – das hält ne Weile vor… Dicker, wenn der sich nicht bald setzt, musst du mir ihn weich klopfen.“

JUNGE 1 steht nach kurzer Pause auf, reißt das Mädchen hoch, schubst Tutou auf die Bank, das Mädchen auf seinen Schoß:

„Da hast du. Aber halt ihn dir fest.“

Er setzt sich wieder.

DAS MÄDCHEN, hübsch zweideutig:

„Danke, Dicker, ich werd mich annageln.“

Sie wendet sich Tutou zu, gurrt:

„So kommt man zu was.“

Sie entdeckt das Kreuz an der Kette, die er um den Hals trägt:

„Von wem hastn das?“

TUTOU:

„Das hab ich gefunden.“

DAS MÄDCHEN macht diese alberne langsame Lache:

„Ha-ha-ha-ha – “

TUTOU:

„Echt-“

DAS MÄDCHEN:

„Das hast du von irgend einer Gisela oder Edeltraut.“

Sie schiebt es in seinen Nacken:

„Da hinten hängt das auch gut.“

Übergangslos:

„Kannst bei mir wohnen.“

TUTOU, nicht eben geschickt:

„Gibt’s denn in Europa keine Jugendherbergen?“

JUNGE 2, kichernd:

„Klar – für junge Ratten ist die und junge Läuse. Beim Herbergsvater kriegst du Klasse Stoff, der beste dealer in der Stadt, kein Beschiss, echt!…“

DAS MÄDCHEN:

„Hör mal zu, du müder Schlappi: Wenn ich dir sage: Kannst bei mir wohnen, dann laberst du nicht was von Jugendherberge! Ist das klar? Küss mich!“

TUTOU tut das, etwas zögerlich.

DAS MÄDCHEN genießt es:

„Mehr.“

TUTOU tuts noch mal.

DAS MÄDCHEN:

„Du bist doch schwul.“

TUTOU, wieder verlegen-empört:

„Nein! aber ich – “

DAS MÄDCHEN:

„Na was?“

TUTOU:

„Ich hätts gern alleine.“

DAS MÄDCHEN logisch:

„Hab doch gesagt, kannst bei mir wohnen. Aber son bisschen Vorspiel möchte hier schon sein…“

TUTOU:

„Ja, fein – aber dein Dicker…?“

JUNGE 1:

„Sag noch mal Dicker zu mir!“

DAS MÄDCHEN:

„Der prügelt mich nachher sowieso.“

TUTOU, einigermaßen entsetzt:

„Was?“

DAS MÄDCHEN:

„Klar. Du gehst, der bleibt.“

TUTOU:

„Das ist mir aber – das möchte ich nicht …“

DAS MÄDCHEN:

„Kann ich mir vorstellen. Aber da führt kein Weg raus. Du bist schuld. Küss mich, damits die Prügel wert ist.“

Sie bedient sich leidenschaftlich.

BEIDE schwanken zu Junge 1 rüber:

JUNGE 1 wird’s zu viel, greift zu:

„He, wenn du nicht schwul bist, steh ab von meiner Puppe!“

TUTOU verteidigt sich etwas schofel:

„Ich doch nicht! Wer sagt denn hier andauernd: Küss mich!?“

DAS MÄDCHEN:

„Verräter! Fängst ja früh an, mich zu enttäuschen“

TUTOU geht nicht darauf ein, zum Jungen 1:

„Du hast mich doch selbst auf sie geschubst!“

JUNGE 1:

„Und jetzt sag ich: Steh ab!“

TUTOU will sich rasch befreien, die Tür öffnen:

„Lasst mich hier raus!“

DAS MÄDCHEN kniet auf Tutous Schoß:

„Hei! Pfoten weg!“

JUNGE 2:

„Die Tür da führt direkt aufn Bahndamm!“

TUTOU versteht nicht:

„Was? Aber der Zug – “

JUNGE 2:

„Das ist schon lange kein Zug mehr. Fahrn bloß nochn paar Abteile.“

TUTOU:

„Aber du hast doch vorhin gesagt, im letzten Wagen ist einer am Krepieren?!“

JUNGE 2:

„Das war der Kurswagen zur Hölle. Du willst doch nach Europa?“

TUTOU:

„Ja.“

JUNGE 2:

„Bistu hier richtig“

DAS MÄDCHEN hat viele Kaugummis ausgewickelt, steckt Tutou einen in den Mund.

TUTOU:

„Was ist das?“

DAS MÄDCHEN:

„Kaugummi.“

Es steckt ihm ziemlich rabiat viel in den Mund.

TUTOU wehrt sich:

„He! Hör auf!“

DAS MÄDCHEN:

„Hast doch gesagt, du hast Hunger. Wer meine Küsse nicht will, dem fütter ich meinen Kaugummi…“

TUTOU:

„Deine Küsse sind mir lieber.“

DAS MÄDCHEN:

„Glaub ich dir nicht. Hast mich ja verraten.“

TUTOU gesteht ein:

„Ja, war nicht gut, entschuldige. So ‘ne lady wie dich – die verrät man nicht.“

DAS MÄDCHEN animiert:

„Hast du lady gesagt? Du verwöhnst mich…“

Sie – ja ich wieß, es müsste korrekterweise Es heißen, aber hier kann ich nicht anders, als auf das Neutrum pfeifen – sie schmiegt-kuschelt sich in seine Umarmung.

JUNGE 1, sehr gereizt und gefährlich, stet auf, reißt das Mädchen weg, reißt Tutou hoch, steht aggressiv vor ihm.

TUTOU ist zuerst sehr erschrocken, nach kurzer Pause lächelnd:

„Schlag zu, du kannst es besser als ich…“

DAS MÄDCHEN, hingerissen:

„Schlag zu, sagt der und lächelt…!“

Sie trennt die Beiden:

„Dicker, du lässt dein Messer stecken! Den habe ich noch lange nicht ausgelutscht. Der geht, du bleibst.“

JUNGE 1 sinkt mit einem frustrierten:

„Oh nein!…“

auf die Bank.

JUNGE 2 kichert schadenfroh los.

JUNGE 1 haut ihm eine rein.

JUNGE 2 schreit auf, will ihm eine zurückschlagen, erkennt seine Machtlosigkeit, die Hackordnung:

„Au Mann, das kost die Bundesbahn wieder ne Ausbesserung!“

Er holt sein Messer raus und schneidet die Polster auf.

DAS MÄDCHEN nimmt die Arme des Jungen 1 hoch, setzt sich auf seinen Schoß, stellt die Beine angewinkelt auf den mittleren freien Platz, legt seine Arme um sich:

„Kannst schlafen, Dicker.“

Es wird Nacht.

DAS MÄDCHEN erzählt:

„Es war einmal ein Mädchen, das hatte einen kleinen Finger dran. Sagte ein Mann: ‚Na und?’ Sagte sie: ,Der ist ein Wunder, der kleine Finger.’ Da wollten sie heiraten, aber das ging nicht. Sagte sie: ‚Es gibt bloß wenig gute Ohren auf der Welt.’ Aber wohnen wollten sie. Da klingelten sie überall an den Türen und schwupp: hatten sie fünfzehn Wohnungen, eine hier, eine da, eine bei der Ampel, den anderen einfach weggeschnappt. Wer zuerst kommt, wohnt zuerst, sagte die Bausparkasse. Da mussten sie auf einen Maskenball gehen, der dauerte sehr lange und deshalb hörte ihre Liebe nie auf, niemals. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute…“

TUTOU, nach kurzer Pause, ohne sich zu rühren:

„Wer hat dir das erzählt?“

DAS MÄDCHEN:

„Ein alter Mann aufm Bahnhof, ehemaliger Sträfling, Frauenmörder, und den General hat er auch gekillt, eiskalt.“

TUTOU:

„Wo ist der?“

DAS MÄDCHEN:

„Hab ich doch gesagt: aufm Bahnhof, der Rangierer.“

Attacca VIOLETTAS klagendes

„Eupa!…?“

Dabei geht der Vorhang auf.

Szene 6

GRENZSTATION

In dieser Szene steckt bis zum Ende immer wieder auch Komik. Es mag mieslich sein, so etwas hinzuschreiben, aber vielleicht ist es eine Lesehilfe.

Es ist Nacht. Es ist Winter. Spuren von Eis und Schnee überall, einige unordentlich zusammengekehrte Haufen alten Schnees.

Und sehr viel Abfall liegt herum: Papier, Plastik, Apfelsinenschalen, Essensreste in Alufolie, Getränkedosen. Auf der Schräge Gleise, teilweise rostig unbenutzt, ein, zwei Weichen, von Hand zu bedienen. Schotter, auch Schotterhaufen. Das setzt sich auf der Projektion fort, gibt der Szene Tiefe; auf der Projektion vielleicht ein ausgebranntes Waggongerippe, eine abgetakelte Lokomotive.

Rechts ist die Grenze, hermetisch verschließende Mauer, die Höhe ragt weit in den Theaterhimmel, ist nicht abzusehen, Stacheldrahtrollen, spanische Reiter und andere, eher absurd wirkende Hindernisse. Die Grenze wird im Laufe der Szene durchbrochen. Das Bahnhofsgebäude und der eigentliche Bahnsteig sind jenseits der Mauer zu denken, hier steht am oberen Ende der Schräge eine kümmerliche Baracke.

Inmitten der Gleise eine sehr kleine, vergammelte, improvisiert zusammengebastelte Hütte, schief, in der der Rangierer Eupa eigentlich nur sitzen kann, auf einem ehemals feudalen Ledersessel. Hinter ihm ein Öfchen, für mehr ist gar kein Platz. Fenster in der Tür, die nach vorne aufgeht. Das Improvisierte ist auch immer wieder teilrenoviert, teilbemalert, verklebt, verpappt, vernagelt. Ein Haufen Kohle, ein unordentlicher Haufen Brennholz.

Irgendwo ein armseliges Bahnhofsschild ‚Europa’.

Wer will, mag auch Spuren von Gemütlichkeit entdecken, zum Beispiel vermitteln vielleicht die im Wind schaukelnden und quietschende Lampen so etwas, oder der Rauch, der aus dem Schornstein der Hütte steigt. Irgendwo etwas kahles Buschwerk, keine Bäume, aber viel langes, gelbes Gras, insbesondere vor der Grenze.

Sehr unwirtlich ist die Grenzstation, und arm, die gängigen Investitionen haben sie nicht erreicht. Sie trägt alle Zeichen einer jahrzehntelangen Improvisation. Nur die Hinnahme durch die Bediensteten und die Bewohner lassen sie schließlich auch als Lebensraum erkennen.

Erwin Hahs – Eupa und Ro: Der Bahnhof – Bühnenbild zu Szene 6

Es ist böig windig, alles Lose bewegt sich immer wieder und scheppert.

/Vom Band immer wieder Windböen.

Keine pappige Bahnhofsschleife, nur gezielte Geräusche, die meistens dramaturgische Bedeutung haben./

VIOLETTA, Krankenschwester in adrettem Weiß (das einzige Adrette auf dieser Station) hat an einer dünnen Schnur eine ziemlich große Rot-Kreuz-Tasche für die Erste Hilfe über die Schultern hängen. Um die Schulter zu entlasten, hockt sie meist so, dass die Tasche auf der Erde steht. Jetzt hockt sie vor der geschlossenen Hütte und klagt laut:

„Eupa!…“

Nach kurzer Pause mosert sie rum:

„Ich verstehe das nicht!, ich verstehe nicht!… da haust er in dieser Hundehütte. Draußen nur Wohnungsnot weit und breit!“

Laut:

„Ich biete dir an, – du ziehst zu mir: Ofen, Bett, Fernsehen, Bratkartoffeln!…“

EUPA, der Schauspieler reißt die Tür auf, giftet raus:

„Hauen Sie endlich ab, Sie altes Reff!“

Er ist ein alter Mann, kaum wiederzuerkennen unter der tief ins Gesicht gezogenen Mütze, in dem weiten kittelartigen Rangiermantel, alles alt und schmierig-schmutzig. Er trägt derbe Schuhe, dicke Fäustlinge, eine Trillerpfeife hängt ihm um den Hals, in einem Halter auf der Brust steckt eine brennende Karbidlampe zum Signalisieren. Er reißt die Tür gleich wieder zu.

VIOLETTA, laut, ärgerlich:

„Für wen du dich aufsparst, – das möchte ich wissen!?“

EUPA klebt sein Gesicht von innen an die Scheibe, bissig:

„Für den Tod!“

VIOLETTA geht nach hinten weg, schimpfend:

„Na warte mal: Wenn Ihnen mal was passiert, und Sie auf meine Erste Hilfe angewiesen sind!…“

LAUTSPRECHERSTIMME, kaputt:

„Ein- Durch-age: Der E-opanah-kehrs-xpress wird voraus-tlich vierundzwanzig Jahr- verspät- ein-reffen!“

DER STATIONSVORSTEHER, ehemals der Zugschaffner, kommt auf der anderen Seite der Hütte von hinten vor. Zwar trägt er rote Mütze und Krawatte, aber der weiße Hemdkragen sitzt miserabel. Und sein Uniform-Wintermantel wird nur noch von einem Knopf zusammengehalten, der ziemlich weit unten übrig geblieben ist, oben klafft er weit. Er hat einen Stock mit Spitze und eine lange Zange in der Hand, wie sie Leute benutzen, die Bahnkörper von Abfällen säubern.

VIOLETTA, als sie ihn zur Hütte gehen sieht, dreht um, hockt sich nicht weit weg hin.

DER STATIONSVORSTEHER sieht sie nicht gleich, macht die Tür der Hütte auf, die der Wind ihm aus der Hand reißt und weit offen lässt:

„Guten Abend, Herr Eupa!“

EUPA reißt die Tür gleich wieder zu.

DER STATIONSVORSTEHER macht sie wieder auf:

„He, warum machen Sie denn die Tür wieder zu?!“

EUPA macht sie zu.

DER STATIONSVORSTEHER:

„Herr Eupa, ich als Ihr Vorgesetzter – !“

BEIDE rangeln um die Tür.

VIOLETTA steht auf, nestelt am Verschluss der Tasche.

DER STATIONSVORSTEHER, schließlich:

„Aber ich bringe Ihnen etwas Wunderbares! Hier, die große Arbeitserleichterung, ganz neu, kaum gebraucht!“

EUPA beendet den Türkampf, schaut sich das an.

VIOLETTA hockt sich wieder hin.

DER STATIONSVORSTEHER führt die Zange vor:

„Hier!, ohne Bücken, – damit können Sie – “

Er entdeckt Violetta, nervös:

„Was hocken Sie denn schon wieder hier rum?“

VIOLETTA, eher weinerlich:

„Weil es keine Lederriemen gibt! Die Tasche ist schwer, die Schnur frisst sich in die Schulter. Wenn ich hocke – “

DER STATIONSVORSTEHER unterbricht und vollendet gereizt:

„ – trägt die Erde das Gewicht der Tasche. Ich weiß es auswendig! Warum Sie nicht in der Mission am Ofen beten, das will ich wissen!?“

VIOLETTA:

„Weil es bei der letzten Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Herrn Eupa zu Tätlichkeiten gekommen ist.“

DER STATIONSVORSTEHER will abwiegeln:

„Ja, aber heute – “

VIOLETTA:

„Ich musste Pflaster setzen. Wenns brenzlig wird, stehe ich auf.“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Aber heute doch nicht, wo ich Herrn Eupa diese wunderbaren Gerätschaften – “

VIOLETTA steht auf.

DER STATIONSVORSTEHER, genervt:

„Warum stehen Sie den jetzt auf?“

VIOLETTA zeigt auf Eupa:

„Da könnte Blut fließen…“

EUPA hat sich die Stockspitze an die Gurgel gesetzt.

DER STATIONSVORSTEHER reißt ihm den stock aus der Hand:

„He, das ist für Papier!“

Er piekt Papier auf:

„Hier, so, so, so – wird die Grenzstation endlich picobello sauber.“

EUPA, wird muffig:

„Ohne mich.“

DER STATIONSVORSTEHER, ärgerlich:

„Natürlich Sie, wer denn sonst?“

EUPA:

„Ich doch nicht.“

DER STATIONSVORSTEHER führt die Geräte euphorisch vor:

„Aber mit diesen Hilfsmitteln ist es doch ein Kinderspiel – schwupp und schwupp! – im Handumdrehen haben Sie all die Pizza-Reste in der Zange, die Hände bleiben sauber. Kein Bücken mehr.“

EUPA, nicht ganz logisch:

„Ich bück mich doch nicht.“

DER STATIONSVORSTEHER reagiert auch nicht gerade logisch:

„Jetzt wird es anders.“

EUPA:

„Nichts wird anders.“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Kinderleicht. Ich als Vorgesetzter – “

EUPA, rückt genervt die Fakten zurecht.

„Mann, dass du das nicht kapierst!: Mit der blöden Zange wird doch nicht was leichter, was ich noch nie gemacht habe!“

Er zwickt ihn in die Wade.

DER STATIONSVORSTEHER:

„He, lassen sie meine Wade in Ruhe!“

EUP, will Violetta am Busen zwicken:

„Warum? Violetta will Blut…!“

VIOLETTA wehrt sich lachend:

„He! Hör auf!“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Lassen Sie Schwester Violetta in Ruhe!“

Zu Violetta:

“Und Sie lachen nicht bei so was!“

EUPA:

„So gut war ich noch nie zu der!…“

DER STATIONSVORSTEHER nimmt ihm die Zange weg:

„Eupa, ich verlange, – ich ordne an, – wir pflanzen Blumen, die Reisenden werden gerne ankommen.“

Er hält ihm beide Geräte hin:

„Der Dreck muss weg.“

EUPA vermufft mehr und mehr:

„Ich bin Rangierer.“

DER STATIONSVORSTEHER, die Augen zum Himmel:

„Man könnte glauben, dass Sie den Dreck lieben – “

Er rutscht aus und fällt hin:

„Aua! Weil Sie den Schnee so schlampig beseitigen!“

EUPA setzt sich in seinen Sessel, wird immer leiser:

„Ich bin Rangierer.“

VIOLETTA ist zum Stationsvorsteher gegangen.

DER STATIONSVORSTEHER bellt sie an:

„Fassen Sie mich nicht an! Ich bin nicht verletzt!“

Er steht auf:

„Herr Eupa, ein letztes Mal – „

EUPA:

„Ich bin Rangierer.“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Aber mit diesen Luxus-Gerätschaften – “

EUPA fällt wütend aus:

„Aber mit diesen Gerätschaften – “

Er reißt ihm den Stock aus der Hand, zielt mit der Spitze auf seine Gurgel, drängt ihn an die Hüttenwand.

DER STATIONSVORSTEHER hat die Zange fallen lassen, erstarrt:

„Hilfe! Schwester Violetta! Wieso greifen Sie nicht ein!?“

VIOLETTA ist aufgestanden und wirkt bereit:

„Erst wenn Blut fließt. Es steht nichts in meinen Vorschriften, Blutgießen zu verhindern. Polizist bin ich keiner.“

DER STATIONSVORSTEHER angenagelt:

„Eupa, hören sie auf, die Sache geht vor Gericht!“

EUPA schmeißt den Stock hin:

„Da war ich schon.“

DER STATIONSVORSTEHER muss Dampf ablassen, eher leise gemein:

„Der alte Mörder schimmert eben doch immer wieder durch…“

VIOLETTA hockt sich wieder hin.

DER STATIONSVORSTEHER auch davon genervt:

„Schwester Violetta, können sie nicht die fünf Minuten stehenbleiben, die wir noch zu reden haben?!“

VIOLETTA mault aggressiv:

„Für Ihr Gequatsche lass ich mir doch nicht die Schulter anfaulen!

DER STATIONSVORSTEHER, weiter aggressiv zu Eupa:

„Sie sollen den Helm tragen bei der Arbeit auf den Gleisen der Grenzstation! Wie oft habe ich Ihnen das schon gesagt!?“

EUPA:

„Ich bin Rangierer auf der Endstation. Und ich bück mich nicht!“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Und es heißt Grenzstation!, und das habe ich Ihnen auch schon tausendmal gesagt.“

EUPA wird wieder leiser, aber eklig:

„Endstation.“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Grenz – Grenz – Grenz! Eines Tages verschwindet die Mauer wie ein Spuk, reges Fahren der Züge hin und her, darauf müssen wir immer vorbereitet sein! Da trägt man Helm!“

Er holt unter Rumwühlen den Helm aus der Bude, setzt ihn Eupa auf die Mütze:

„Der wird von Ihnen aufgesetzt auf der Grenzstation!“

EUPA schmeißt den Helm weg:

„Abgesetzt auf der Endstation“

DER STATIONSVORSTEHER setzt ihn ihm wieder auf:

„Auf, Grenzstation!“

EUPA schmeißt den Helm weg:

„Ab, Endstation!“

DER STATIONSVORSTEHER will ihn ihm wieder aufsetzen, kategorisch

„Auf-ge-setzt – Grenz-sta-tion…“

EUPA wehrt sich handgreiflich.

VIOLETTA steht auf, bereit.

DER STATIONSVORSTEHER lässt ab:

„Wenn dieses Reff von Violetta aufsteht, kann ich nicht mehr raufen.“

EUPA haut den Helm wie einen Fußball weg.

LAUTSPRECHERDURCHSAGE:

„Der –erspätete Eu-a-nah-kehrs-press wird in weni- Min-ten auf dem Abstellgl-s –nfahren.“

/Geräusch eines einfahrenden Zuges wird immer lauter./

VIOLETTA geht ans obere Ende der Schräge:

DER STATIONSVORSTEHER will auch gehen, sieht aber, dass:

EUPA sehr bedächtig Papier aufpiekst.

DER STATIONSVORSTEHER, schon wieder gestresst:

„Eupa!, der Europanahverkehrsexpress!“

EUPA piekst versonnen Papier:

„Picobello…“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Aber doch nicht jetzt, wo Sie den Europanahverkehrsexpress – !“

EUPA:

„Die Reisenden werden gern ankommen…“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Eupa!, ich flehe Sie an! Es gibt ein Unglück!“

EUPA:

„Er fleht mich an!… Und der Dreck?“

DER STATIONSVORSTEHER nimmt ihm die Geräte weg:

„Das hat doch Zeit! Gehen Sie arbeiten, tun Sie Ihre Pflicht!“

EUPA rennt ans obere Ende der Schräge, holt die Lampe raus:

„Bist du schuld, wenn der Bahnhof dreckig bleibt!“

Er gibt mit der Lampe Signale, die nicht sehr sinnvoll wirken, und wird von

EUPA, dem Tänzer, abgelöst.

DER STATIONSVORSTEHER schmeißt die Geräte weg, rennt ans obere Ende der Schräge, empört:

„Der Mann kostet mich den letzten Nerv!…“

/Musik zu einer Springprozession mit Gepäckstücken, wahrscheinlich ein harter beat mit monotonen Wiederholungen, der dem eher schwermütigen Tanz rhythmische Akzente gibt./

Das Abteil fährt mit seinen Fahrgästen in die Grenzstation ein. Kurz darauf fährt noch eine Plattform von links nach rechts mit

REISENDEN, Tänzerinnen und Tänzern, darauf und sehr vielen Gepäckstücken.

EUPA stellt Weichen, pfeift, gibt Lichtsignale, durchaus tänzerisch.

DIE DREI JUNGEN LEUTE und TUTOU steigen aus, ziemlich spät, und integrieren sich ans Ende des nachfolgenden Zuges der

REISENDEN, die tanzend über die Gleise gehen und nach hinten weg in die Baracke oder daneben. Aber: sie haben zwischen vier und acht Gepäckstücke, jeder. Also tragen sie erstmal zwei Stücke vor, verschieden weit, gehen/tanzen zurück und holen das nächste Paar, wieder vor, wieder zurück, zwischen den Gleisen, auf dem Schotter nicht ganz einfach. Ob sie sich zum Zurückgehen umdrehen oder ob sie rückwärts tanzen, sei dahingestellt. Auf der Schräge entsteht eine Hin- und Her-Mechanik, keine Durcheinander-Hektik; alle wissen, was sie zu tun haben. Eupa ist überall und zwischendurch als Rangierer tätig und tanzt am Ende fast unbemerkt mit ab. Die Reisenden sind eher billig gekleidet und wirken wie Lastenträger, wie sie über die ganze Breite der Schräge nach Europa ziehen. Das dünnt dann aus, die mit den meisten Gepäckstücken brauchen am längsten.

DIE DREI JUNGEN LEUTE haben auch etliche Gepäckstücke und tanzen als letzte ab.

/Die Musik dünnt auch dementsprechend aus./

DAS MÄDCHEN setzt ein Kofferpaar ab und dreht sich um.

JUNGE 1 ist hinter ihr und schlägt ihr ins Gesicht.

DAS MÄDCHEN heult auf, stürzt über Koffer zu Boden.

VIOLETTA eilt zu dem Mädchen und hilft ihr.

TUTOU ist auch in die Springprozession geraten, hat sich alles etwas verwundert angesehen. Jetzt eilt er zum Tatort, wird aber gar nicht zur Kenntnis genommen.

DAS MÄDCHEN rappelt sich auf und umarmt Jungen 1 traurig-flüchtig:

„Dicker, ich bin froh, dass ich dich jetzt wieder ganz habe…“

Sie holt ihre letzten Gepäckstücke.

DIE DREI JUNGEN LEUTE und VIOLETTA gehen ab.

TUTOU steht sehr nachdenklich, sehr verloren da.

DER STATIONSVORSTEHER ruft ihn an:

„Haben sich die Ankunft in Europa schicker vorgestellt, was?“

TUTOU schaut ihn an.

DER STATIONSVORSTEHER geht zu ihm, um guten Eindruck bemüht, nestelt deshalb im Folgenden viel an seinem klaffenden Mantel:

„Es ist Nacht, es ist kalt, und es ist der lausigste Bahnhof der Welt. Ich heiße sie dennoch willkommen.“

TUTOU kann ja mit dem Schicksal des Mädchens noch nicht fertig sein:

„Wird hier viel geprügelt?“

Er geht zur Mauer.

DER STATIONSVORSTEHER:

„Das will ich meinen: der Auslauf fehlt – man stößt an die Grenze, dreht sich um und schlägt zu. Ich erkenn Sie an dem Rucksack, den haben wir zusammen repariert.“

Er ist Tutou nachgegangen:

„Tja, hier wollten Sie also her. Haben mich damals immer nach Europa gefragt, wann wir ankommen und so – Und ich wusste immer nicht Bescheid. Jetzt sind Sie am Ziel.“

TUTOU:

„Was ist hinter der Mauer?“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Man kann sich doch denken, was dahinter ist: Lauter Minen, jeder Schritt eine Explosion.“

TUTOU:

„War hier immer Grenze?“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Wo denken Sie hin? Hier, können Sie selber sehen, dass die Mauer direkt auf die Schienen gesetzt ist. Mein Herr Vorgänger bedauerte noch, dass so wenig Züge hier halten. Jetzt enden alle hier. Das eigentliche Bahnhofsgebäude liegt da drüben, desgleichen der Bahnsteig, gibt alte Fotos, schwarz-weiß: sehr stattlich, eine herrliche Magnolie im Bahnhofsgarten. Und so soll es ja auch eines Tages wieder werden. Kaiser Wilhelm hat ihn ja höchstselbst eingeweiht und immer wieder zu benutzen geruht, wenn er zur Jagd ins Revier kam. Das waren Zeiten!…“

TUTOU:

„Sie wären gern woanders?“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Manchmal träume ich, Bahnhofsvorsteher in Bad Gastein zu sein… Andererseits: es ist nicht allzuviel zu tun hier – aber es dauert immer alles lange – alles – immer – die Verspätungen zum Beispiel – “

Er stolpert heftig über einen Holzscheit:

„Au! Verdammt noch mal! Seit Winteranfang lässt er sein Holz hier rumgammeln.!“

Er beginnt, es ordentlich zu schichten angesichts der Menge ein albernes Beginnen:

„Nie ist das so schön geschichtet, wie auf den schmucken Bauernhöfen im Unterland.“

TUTOU:

„Sie haben sich über Eupa zu beklagen?“

DER STATIONSVORSTEHER hat für eine Weile sein Buh-Mann-Thema:

„Nur!, Nur!…“

Er hört auf, Holz zu schichten:

„Was mach ich mir seine Hände dreckig?!“

TUTOU:

„Ist er nicht gefährdet hier in der Hütte direkt auf den Schienen?“

DER STATIONSVORSTEHER erklärt fachmännisch:

„Kucken Sie sich den Rost an. Solange die Grenze zu ist, rollt auf dem Gleis keine Achse. Sie kennen ihn?“

TUTOU:

„Ja – von früher…“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Dann werden Sie auch sein Vorstrafenregister kennen. Nach wie vor gemeingefährlich. Jedes Gespräch – ich fange immer ganz ruhig an – am Ende Gewalt…“

TUTOU:

„Warum lassen Sie ihn nicht ablösen?“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Nee. Zwei Gründe: Hier rauf in unser ewiges Chaos würden sie uns nur den letzten Ramsch von Rangierer schicken. Zweitens: Eupa mag menschlich – naja – aber er rangiert: – das beste an Rangierer, was ich in meiner ganzen Laufbahn kennen gelernt habe. Der riecht, wann die Züge kommen. Waggons, auf denen nichts draufsteht, hängt er an die richtige Partie. Immer hat er Bremsklötze und Reservebremsklötze zur Hand. Und wie der mit den ewigen Verspätungen klarkommt – unser Fahrpläne taugen doch nur als Klopapier.“

TUTOU:

„Das wollte ich sie dauernd fragen: Wieso diese irren Verspätungen?“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Seit wir keine Generaldirektion mehr haben, – hat auch seine Vorteile, aber ich habe Jahre gebraucht, bis ich der Anarchie etwas Liebe entgegenbringe konnte, Jahre… sie wissen von der Ermordung des Generals?“

TUTOU weiß es anders:

„Ermordung?“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Nun ja, ein Frauenmörder ist da nicht pingelig. Der geht auch auf Männer, und wenn sie noch so dick sind. Und dann dieser skandalöse Freispruch – was heißt Freispruch?: wenn man den Generalstaatsanwalt einfach ermordet.“

TUTOU pocht darauf:

„Ich bin Zeuge, dass es anders war.“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Was streite ich mit Ihnen in einer Winternacht über ein oder zwei Morde, die längst verjährt sind, wo ich selbst auch schon längst Dienstschluss habe.“

TUTOU:

„Wie komme ich denn jetzt weiter? Ich meine …“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Weiter? Hier kommt man nicht weiter… Anschluss finden Sie allemal auf der Bahnhofsstraße. Oder Sie – wie nannten Sie das?: Sie poofen da in Ihrem Abteil. Gute Nacht.“

TUTOU:

„Gute Nacht. Und vielen Dank.“

Er geht ins Abteil. Tut den Rucksack ins Gepäcknetz und legt sich hin.

VIOLETTA kommt rasch, schaut sich um und hockt sich hinter die Hütte.

EUPA, der Schauspieler kommt so, dass er Violetta nicht sieht, verstaut die Lampe im Brusthalter, geht an seiner Hütte vorbei.

VIOLETTA schießt vor, bissig:

„Für wen du dich aufsparst, – das möchte ich wissen!?“

EUPA ist sehr erschrocken, bellt zurück:

„Für den Tod!“

VIOLETTA geht wütend ab:

„Na warte, wenn dir mal was passiert, wenn du auf meine Erste Hilfe angewiesen bist…!“

EUPA brummt:

„Altes Reff!…“

Er geht zum Abteil, will es mit der Schulter schieben, entdeckt Tutou und weckt ihn sehr unsanft:

„Raus hier!“

 

TUTOU berappelt sich mühsam:

„He, was denn los?!…“

EUPA:

„Raus! Endstation!“

 

TUTOU:

„Aber der Stationsvorsteher hat extra gesagt – “

EUPA:

„Und das Polster aufgeschnitten!“

 

TUTOU:

„Das war ich nicht!“

EUPA eklig, bedrohlich, zu Handgreiflichkeiten bereit:

„Wirds bald?!“

 

TUTOU:

„Ja ja, ich geh ja…“

Er greift seinen Rucksack, sein Gesicht gerät in den Schein der Karbidlampe.

EUPA erkennt das Gesicht, hält es einen Augenblick in den behandschuhten Händen, dann:

„Raus!“

 

TUTOU nimmt den Rucksack auf den Rücken und steigt aus.

EUPA schiebt das Abteil mit dem Rücken nach links ganz von der Szene; an der schrägen Stemmlage des Körpers wird deutlich, wie schwer das ist. Dann kommt er zurück, geht ganz nah an Tutou vorbei, bleibt abrupt stehen, geht zurück, hält ihm die Lampe vor die Nase, dreht sich ganz weg, wieder zurück, leuchtet ihn wieder an. Hat was Clowneskes.

TUTOU hat sich nicht bewegt, leise:

„Ich will zu dir…“

EUPA breitet ganz weit die Arme aus:

„Willkommen …“

Er leuchtet ihn wieder an:

„Du frierst ja!…“

Er pustet die Lampe aus, steckt sie in den Halter, entwickelt eine fieberhafte Umsorgung, dreht Tutou an den Schultern um die eigene Achse, fasst an den Rucksack:

„Der Morgenduft kriegt Frost – !“

TUTOU:

„Die sind alle.“

EUPA:

„Quatsch! Ein Duft ist niemals alle!…“

Er hat Tutou an der Hand gefasst und zerrt den Verdutzten zu seiner Hütte, reißt ihm hastig den Rucksack ab, schubst ihn in den Ledersessel, haut die Tür zu.

 

TUTOU öffnet sie etwas:

„Wir Turnschuh-Touristen sind Sommerkinder, weißt du …?“

EUPA haut die Tür zu, klaubt rasch viel Holz zusammen, reißt die Tür auf und bullert das Holz über den armen Tutou hinweg in den Ofen.

/Ofenbullern, unrealistisch laut.

Es sei hier gesagt, dass bis zum Ende der Szene einige unrealistisch laute, überhöhte, verfremdete Geräusche wichtige dramaturgische Beweger sind./

Rauch deutlich aus dem Schornstein.

EUPA schließt die Tür, hockt sich davor.

 

TUTOU öffnet sie.

EUPA haut sie zu.

TUTOU hustet, lachend:

„He, es wird zu heiß, ich ersticke!“

EUPA stürzt sich wieder über Tutou an den Ofen:

„Die Drosselkappe ist kaputt. Es ist alles kaputt. Gastgeber Eupa ist kaputt.“

Er piekt drei Stücke Apfelsinenschale auf und hält sie Tutou hin, nicht ohne Eleganz:

„Apfelsinenschale ist das Einzige was ich anzubieten habe.“

 

TUTOU nimmt etwas verwundert ein Stück:

„Danke – “

EUPA nimmt ein Stück, hält es an die Nase, knickt es:

„Wenn man sie so knickt, gibt es einen Duft.“

 

TUTOU macht es ihm nach:

„Sie gibt das Letzte her, was sie noch hat.“

EUPA hockt-lehnt sich an die Hütte, genießt eine flüchtige Gemütlichkeit.

 

TUTOU:

„Eupa?“

EUPA:

„Ja?“

 

TUTOU:

„Wir sind ein Gespräch.“

EUPA, mit kleinem Vorbehalt:

„Ja, – aber nicht viel reden …“

 

TUTOU, nicht ganz aufmerksam, uneinsichtig:

„Doch, wir haben viel zu erzählen.“

EUPA schüttelt den Kopf, leise:

„Nichts erzählen.“

 

TUTOU hat den Einwand nicht registriert:

„Es ist gar nicht so lange her, – lässt sich in Stunden messen – “

EUPA schaut hoch, mit Sorge:

„Der Vorhang, – dieser graue Schleier geht hoch … Halt!: Der hatte doch sein Gutes!“

 

VIOLETTA ist aufgetaucht und hockt schon einige Sätze lang hinter ihm.

EUPA wendet sich ihr zu, als spürte er sie.

 

VIOLETTA, sehr leise, eigentlich nett:

„Für wen du dich aufsparst, – das möchte ich wissen..!.“

EUPA:

„Für den Tod.“

 

VIOLETTA geht.

EUPA zu Tutou:

„Mit dem Tod kann ich ihr immer den Mund stopfen.“

 

TUTOU:

„Reden wir nicht vom Tod., – wo kann ich schlafen?“

EUPA:

„Ich nehme dich als Logierbesuch.“

 

TUTOU wägt den Innenraum der Hütte ab:

„Aber – es ist sehr eng bei dir – “

EUPA:

„Ich schiebe dein Abteil hier ran, ganz nah.“

 

TUTOU:

„Ich habe das Abteil sehr geliebt.“

EUPA, eher erstaunt über die eigene Euphorie:

„Wir flicken das Polster.“

 

TUTOU:

„Aber brauchst du nicht die Gleise hier drum rum?“

EUPA:

„Wir setzen das Abteil auf das Hüttendach.“

 

TUTOU:

„Au ja, der Salon im ersten Stock!“

EUPA lacht:

„Salon ist gut!“

 

TUTOU:

„Im Salon sind drei Plätze. Wenn wir erzählen, ist eine dabei, die auch gerne lachte.“

EUPA, weiß, wen Tutou meint, will die Unverbindlichkeit retten:

„Violetta lacht nicht gerne.“

TUTOU:

„Ich meine Ro.“

EUPA springt auf, stopft Tutou rasch seine Mütze in den Mund, steht dann abgewandt.

TUTOU, die Mütze in der Hand:

„Der Name ist doch nicht im Grab. Wenn man von einer Toten nicht mehr spricht, stirbt sie ja noch mal! Ich weiß, es tut weh… Eupa, komm, lass mich nicht immer wieder als der böse Unschuldige dastehen.“

EUPA wendet sich ihm zu, gibt ihm die Hand:

„Du bist ein lebensgefährlicher Gast.“

 

TUTOU nimmt die Hand arglos.

EUPA reißt ihn brutal aus dem Sessel, setzt sich rein:

„Die Hütte geht auch als Sarg.“

 

TUTOU steht verwundert, verletzt:

„Aber Eupa; ich – “

EUPA nicht mehr zugänglich:

„Todesengel, hau ab!“

 

TUTOU wendet sich betroffen ab.

EUPA greift die Stange mit dem Pieker, hält ihn sich an die Gurgel, will die Tür zumachen, sieht etwas in Tutous Nacken:

„Todesengel, bleib stehn.“

 

TUTOU will sich umdrehen.

EUPA:

„Dreh dich nicht um. Im Schatten deiner Flügel überdauert das Kreuz mit dem Gott.“

Er geht hin und küsst es flüchtig:

„Kein ganz schlechter Abgang. Es ist vorbei.“

Er macht die Tür zu.

TUTOU, ohne sich zu rühren:

„Wer sagt vorbei auf einer Bühne, die nur Wandlung kennt? …“

/Erschreckend, ohrenbetäubend lauter Mauerdurchbruch, dem kurz hohe Geigen vorausgegangen sein mögen./

Die Mauer bricht auf, vollkommen unrealistisch, in Zeitlupe. Und nach dem ersten Krachen lautlos, riesige Brocken stürzen ganz langsam herunter. Es entsteht ein Durchbruch. Durch ihn rollt ebenso lautlos und ganz langsam ein Güterwagen mit Dach und geschlossener Tür. Darauf steht untereinander groß: ‚Abgangsbahnhof: Bestimmungsbahnhof: Art der Ladung: ‘

EUPA ist von dem Lärm aufgeschreckt, aus der Hütte gestürzt, gibt mit der Lampe Zeichen, stellt fest, dass sie nicht brennt, wirft sie weg, sucht fieberhaft Bremsklötze, gibt mit den Händen Zeichen, rennt hin und her, vor und zurück, schaut auch sehr aufmerksam nach links, prüfend, was der weiterrollende Wagen anrichten könnte, ist furchtlos wie Buster Keaton, pfeift auf der Trillerpfeife ganze Sätze, stellt Weichen sorum und gleich wieder andersrum. Er will mit ausgebreiteten Armen, den doch bedeutend großen Wagon aufhalten:

„Halt! Ich habe keine Bremsklötze! Das gibt ein Unglück, – da hinten! …“

Damit hat er sich umgedreht, der Waggon haut Eupa um, fährt auf seine Hände und steht. Er hat vorher Eupas Hütte umgefahren und zerstört.

 

EUPA schreit schmerzgepeinigt.

TUTOU war längst aus der Gefahrenzone geflohen. Jetzt will er zu Eupa stürzen, wird aufgehalten vom

lautlosen Aufgehen der Waggontür und gleißendem Licht und der

/kräftig einsetzenden Musik: Auferstehung, Versöhnung, Gnadenvorgang, nicht weniger, sicher von großem Ernst, aber noch viel mehr Liebe, auch erinnerungsseelig, -trunken, Reminiszenzen an die Geburt – dies ist ja Wiedergeburt! Auf dem lausigsten Bahnhof der Welt, inmitten von Trümmern einer Mauer, die zu unser aller Heil bersten musste./

RO, die Tänzerin, steht im Waggon, in strahlendem Licht, grauhaarig, schön, heiter, in weitem Reisemantel.

EUPA, der Tänzer, kommt unter dem Waggon hervor, hilft Ro galant von der Ladefläche.

BEIDE tanzen das Wunder der Versöhnung (hängt sprachlich an Sühne), ernst, aber gewiss auch komisch und unbeholfen, denn die Protagonisten sind als geworden. Man ist bei der Wiedergeburt, beim Häuten immer älter und scheiternsgeübter als bei der Geburt. Eine Hebung etwa, die nicht klappt, weckt keinen Zorn, sondern rührt durch Lachen und wird vollendet schön aufgelöst. Nichts ist perfekt, aber alles ist Liebe. Auch stören Trümmer, Gleise und Schotter. Nein: Sie stören eben nicht! Die Harmonie der Einheit, des Einsseins wird wieder hergestellt, Eros und Agape. Dann führt Eupa Ro wieder zum Waggon zurück, hilft ihr hinein, verschwindet darunter.

Die Waggontür geht lautlos zu, das Licht erlischt.

/Die Musik endet./

EUPA, der Schauspieler, schreit.

TUTOU stürzt zu ihm.

DER STATIONSVORSTEHER, mit Mütze und Mantel, aber ohne Hosen, kommt angestürzt:

„Natürlich Eupa! Der Unentbehrlichste auf der ganzen Grenzstation! Und das am Sonnabend!“

VIOLETTA kommt angestürzt:

„Wo? Was? Wer?“

TUTOU:

„Hier unter dem Waggon! Eupa!“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Den Waggon schieben! Ein Stück dalang!“

ALLE DREI bewegen den Waggon etwas in Richtung Grenze.

/Dazu jetzt Geräusch: Räderquietschen/

DER STATIONSVORSTEHER:

„Waggonschieben war immer seine Sache. Wo hat er Bremsklötze? Nie hat er Ordnung gehalten!“

TUTOU sichert die Räder:

„Sind genug Mauersteine da.“

VIOLETTA macht die üblichen, ersten, notwendigen Notfall-Checks:

„Er lebt – Kopf unversehrt – Beine in Ordnung.“

Sie fasst die Arme an.

EUPA schreit-stöhnt.

VIOLETTA:

„Aber die Hände!“

Sie breitet die Arme aus:

„So lagen die Handgelenke auf den Schienen.“

TUTOU:

„Als Bremsklötze.“

VIOLETTA:

„Er muss runter vom Schotter.“

Sie leistet allererste Hilfe.

TUTOU:

„In den Waggon.“

Er rennt zur Tür.

DER STATIONSVORSTEHER:

„Vorsicht, Explosionsgefahr! Wer weiß, was von da drüben kommt!?“

TUTOU öffnet die Tür:

„Ich weiß es.“

/Dazu jetzt Türgeräusche./

EUPA richtet sich unter Stöhnen etwas auf.

VIOLETTA:

„Er richtet sich auf. Junger Mann mit den Turnschuhen, helfen Sie!“

DER STATIONSVORSTEHER will helfen.

VIOLETTA:

„Sie nicht, Sie haben ja nicht mal Hosen an!“

DER STATIONSVORSTEHER:

„Ich wundere mich schon die ganze Zeit, wieso mir so kalt ist.“

Er rennt weg, findet die Lampe:

„Die Lampe! Eupa!, so gehen Sie mit dem Ihnen anvertrauten Gut um!“

Fast im gleichen Atemzug:

„Da drüben blüht die Magnolie. Vielleicht ist es da drüben warm genug ohne Hose!“

Er rennt durch die Mauer ab.

VIOLETTA und TUTOU, je einen Arm Eupas um die Schulter, tragen ihm zum Waggon.

VIOLETTA:

„Vorsicht, die Handgelenke. So wird er mich nie wieder umarmen.“

BEIDE betten Eupa in den Waggon.

EUPA, ohne den Kopf zu wenden:

„Wer steht da?“

VIOLETTA schaut rum:

„Wo? Niemand.“

EUPA, zunehmend erregter:

„Doch, da in der Ecke…!“

VIOLETTA legt die Hand auf seine Stirn:

„Sie haben ja die Augen gar nicht auf. Sie fiebern.“

EUPA:

„Wer steht da im Dunkel?“

VIOLETTA:

„Der Waggon ist leer. Was soll schon von da drüben kommen?“

TUTOU, leise:

„Ich weiß schon, wen er meint, aber – der Name ist Tabu.“

EUPA, leise, aber schrecklich unverstanden:

„Ich will wissen, wer da steht…!?“

VIOLETTA, so traurig, wie es ihr nur möglich ist:

„Ach, Eupa, nun werden wir Sie doch in eine Anstalt einliefern müssen.“

EUPA findet das erlösende Wort:

„Sie kann ja stehenbleiben, aber sie darf nicht weggehen.“

Sanftes Licht im und aus dem Waggoninnern.

RO, die Schauspielerin, kommt in die offene Tür des Waggons, hockt sich zu Eupa, nimmt seine rechte Hand.

VIOLETTA, ängstlich, aber sehr behutsam:

„Obacht, die Handgelenke!…“

EUPA, in größter Erregung:

„Du hältst mich bei meiner rechten Hand.“

RO:

„Gib deinen Kopf in meinen Schoß.“

EUPA tut noch nichts dergleichen, ruft, auf seine Weise entzückt, zu Zeugen:

„Luft, Luft, Waggon, Schienen, Signale, Schotter und Sterne – Hört ihr, was vorgeht?: Das ist ihre Stimme, älter geworden, viel älter!…“

RO:

„Den Kopf in meinen Schoß.“

ALLE helfen dazu.

VIOLETTA, ohne Bosheit:

„Du hast mich angeschwindelt, Eupa, du hast gar nicht auf den Tod gewartet, sondern auf die da…“

RO, mit kleinem Stirnrunzeln:

„Wer ist die Dame?“

EUPA:

„Kannst du mir verzeihen, Schwester Violetta?“

VIOLETTA:

„Verzeihn ja, aber ich kann es nicht mit ansehen.“

Sie geht ab, über die Schräge nach hinten weg.

RO:

„Nun liegt zwischen der Welt und mir wieder dein Angesicht wie ein untrügliches Spiegelbild.“

Sie streichelt seine Haare:

„So grau bin ich also geworden.“

Sie streichelt sein Gesicht:

„So von Falten gezeichnet die Züge. Ich brauche die Brille.“

Sie setzt eine Brille auf und forscht in seinem Gesicht:

„Jaja, – da ist sogar noch etwas Schalk im linken Augenwinkel hängen geblieben!“

EUPA:

„Hattest du da drüben einen Fahrplan?“

RO:

„Es gibt drüben keinen Fahrplan. Nur Wartesäle voller Frauen.“

EUPA:

„Worauf warten sie. Ab sofort ist alles grenzenlos.“

TUTOU:

„Alle Verspätungen integriert. Die Anarchie wird hin- und herfluten.“

RO:

„Wer ist der Herr?“

EUPA:

„Alter Bekannter. Wir haben vorhin so gelacht.“

RO, wieder mit kleinem Stirnrunzeln:

„Ihr habt gelacht – ohne mich?“

TUTOU:

„Ja, über den Salon im ersten Stock.“

RO:

„In meinen Tod hinein habt ihr gelacht?“

EUPA:

„Vielleicht haben wir durch das Lachen – … Er hat extra noch gesagt: Da ist dann eine dabei, die auch so gerne lachte. Aber du warst gar nicht dabei. Aber jetzt bist du dabei. Hast du auch alle deine kleinen Finger mit?“

RO:

„Zwei.“

TUTOU:

„Das genügt.“

RO:

„Wer ist der Herr?“

EUPA:

„Alter Bekannter. Bloß weiß ich seinen Namen nicht.“

RO lacht:

„Von alten Bekannten weiß man doch den Namen! Helmut oder Hartmut – irgendwas mit Mut.“

TUTOU:

„Nein, ich heiße Tutou, weil -: In meinem T u rnschuhen t u ich alles für euch!“

EUPA:

„Tutou, in meiner Tasche findet sich von altersher ein Stück Kreide.“

RO findet die Kreide und gibt sie Tutou.

„Schreibe den Segen auf unser Haus.“

TUTOU schreibt hinter die drei Doppelpunkte der Waggonbeschriftung mit großen Lettern das Wort ‚EUROPA‘.

EUPA:

„Wenn ich sicher gewesen wäre, dass du kommst, hätte ich die Grenzstation piccobello sauber gemacht.“

Er schreit aufgekratzt:

„Herr Stationsvorsteher, ich sag auch nie wieder Endstation!“

TUTOU gewichtig schreibend:

„Der ist drüben bei der Magnolie.“

/Ab hier singen bis über den Vorhang hinaus irgendwelche Instrumente./

EUPA:

„Nun ist die Welt wieder unser. Sie ist nicht besser geworden.“

RO:

„Sie ist besser geworden um unser armseliges Brautbett. Aber wer soll diesen Kasten Liebe auf sich nehmen?“

EUPA:

„Die Gemeinde, von der wir nicht wissen wie groß sie ist.“

TUTOU ist fertig mit Schreiben, er geht zur Rampe, spricht gefasst und voller Freude:

„Weiße Kreide, leichter Griffel sei uns gnädig. Von Kreta bis Island, von Nowaja Semlja – jaja, so weit – bis Kastilien beschrifte die Häuser des Kontinents. Ich breche dich und werfe die Stücke wie Sternenstaub in die Hand eines Jeden!“

Er hat die Kreide zerbrochen und mit großem Schwung über die Rampe geworfen. Er rennt zu seinem Rucksack, haut ihn sich um. Der Rucksack geht kaputt und entlässt ein Geflecht großer silberner Kugeln, die nach oben gezogen werden, während er davonläuft.

DAS MÄDCHEN ist angerannt gekommen, hilft die Kugeln zu entwirren:

„Und da hat er doch glatt gesagt, die Äpfel wärn alle…“

Licht weg. Die Kugeln schimmern.

Langsamer Vorhang.

 

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