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Guten Abend, lieber Gott, wie geht es deiner Frau?

Wir haben schon lange nichts mehr von ihr gehört!

Teil 2

Teil 1 gibts hier

Und hier Peters Klappentext zum Vortrag

 

Mit ihren wissenschaftlich seriösen, wenn auch sicher bestreitbaren Thesen ist sie in einen sehr unerquicklichen Krieg mit ihrer evangelischen Kirche geraten. Klar, daß die Kirche sich mit solchen revolutionären Thesen auseinandersetzen muss. Aber wie sie das tut! Sie fordert das Berufsverbot für diese Frau. Gegen sie läuft ein – hören Sie sich das wahnsinnige Wortmonstrum an!: “Lehrzuchtverfahren”.

 

Jawohl, so etwas gibt es, nicht nur im finsteren Mittelalter, sondern in den neunziger Jahren des gerade eben erst vergangenen vorigen Jahrhunderts bei den Evangelischen in Baden-Württemberg. Von ihrem Posten als Krankenhausseelsorgerin krebskranker Frauen ist Jutta Voss suspendiert, solange das Lehrzuchtverfahren läuft, weil eine Gottesmutter neben einem Gottvater zu anstößig ist.

 

Mich fasziniert seit langem ein Frauenkopf in Gottes Arm auf Michelangelos „Beseelung Adams.“ Da liegt links der überaus schöne, etwas traumverlorene Jüngling Adam, der eben noch ein Lehmkloß war.

 

Meine Enkel machten mich übrigens darauf aufmerksam, dass der Bauchnabel dieses Adam ja eigentlich fehl am Platze sei, da er ja nicht aus einem Mutterleib kam und folglich weder Schnur noch Nabel haben konnte. Er streckt den linken Arm aus, fast berührt ihn Gottes rechter Zeigefinger. Und in Gottes linkem Arm eine hinreißend schöne junge Frau, die höchlichst interessiert zu diesem Adam schaut und von der man annimmt, Michelangelo habe in ihr die noch unerschaffene Eva porträtiert. Vielleicht aber war sie die Erstgeborene? Die Partnerin Gottes? Adam ihr Sohn und künftiger Mann?….Ein umstrittener Übersetzungsfehler spielt ja auch in der Geschichte von der unbefleckten Empfängnis der Muttergottes eine Rolle: Aus einer „jungen Frau“ sei durch Übersetzungsnachlässigkeit oder aus anderen Gründen eine „Jungfrau“ geworden. Jedenfalls steht in einem Evangelium des Neuen Testaments, dass Jesus etliche Brüder hatte, und zwar nicht in einem nachgeschobenen apokryphen Text, sondern im kanonisierten Matthäus-Evangelium, Kapitel 13, Vers 55, wie wir in jedem Neuen Testament nachlesen können, sofern wir im Neuen Testament lesen. Jesus Brüder Jakobus, Josef, Simon und Judas tauchen dann freilich nie wieder in seinem dokumentierten Leben auf. – Stimmt nicht. Unser Pfarrer schrieb mir nach Lektüre meines Textes, dass Jesus Bruder Jakobus im Galaterbrief und in der Apostelgeschichte noch einige Male erwähnt wird. Danke für den Hinweis. Ein Jakobus ist auch eine Art Anführer der Qmram-Gemeinde, deren Schriftrollen am Toten Meer gefunden wurden. Es sei anzunehmen, dass dieser frühe Christ der leibliche Bruder Jesu gewesen sei. Jungfrau Maria, die Gottesmutter, hatte also, laut Matthäus, fünf Söhne.

 

Das alte Testament in der uns bekannten Fassung ist eines der frühesten Dokumente des aufkommenden Patriarchats. Verschiedene Faktoren, über die die Forschung wenig Kenntnis hat, haben es zu einer Ablösung des Matriarchats kommen lassen. Ein etwas schlichtes Argument könnte heißen: Als ein Vater zum ersten Male merkte, dass er Vater ist, wie viel er beigetragen hat zum Zustandekommen auch seines Kindes, – da war es doch wohl um die reine Frauendominanz geschehen. Das wertete den Mann in der Stammensgemeinschaft ungemein auf. Die Entdeckung von Ursache und Wirkung auf einem so fundamentalen Gebiet in den Beziehungen von Mann und Frau war eine Revolution, die vor keiner matriarchalen Gesellschaft in der Welt haltmachte. Das war ein Ärmelaufkrempeln! Jetzt hauen die Männer radikal auf den Putz!  Fünf Millionen Jahre, von 6 bis kurz vor 12, haben wir uns das gefallen lassen müssen, – jetzt reichts! Und sie schlüpften überfallartig in die magischen Gewänder der Priesterinnen und eröffneten einen männlichen Kult. Und sie schlüpften mit viel List und einiger Tücke in die Gewänder der ehrwürdigen Richterinnen und sprachen ein männliches Recht, in dem zum ersten Mal von Privateigentum die Rede war, von Mein und Dein, von männlicher Erbfolge, von Grenzen und Strafen und Gewalt und Krieg.

 

Man verstehe mich recht: nicht als ob es im Matriarchat nur edel, hilfreich und gut zugegangen wäre. Die menschliche Natur war vordem nicht besser als heute, oder sagen wir: Immer gefährdet. Die Menschen aufzuteilen in böse Männer und gute Frauen, die nur gelegentlich von den Männern zur Bosheit verführt werden, gehört zu den schrecklichen Vereinfachungen, die genauer Prüfung nicht standhalten. Die Gattung Mensch kennt das böse Weib ebenso wie den bösen Mann. Aber in einem Matriarchatsclan lebten im Zentrum die alten Frauen, dann die Mütter und Kinder, deren Liebe zueinander als heilig und als Vorbild für die Liebe zur Göttin galt, und an den Außenrändern waren die Männer stationiert. Es ist ziemlich sicher, dass bei solcher Machtverteilung die Schwachen besser geschützt wurden, dass persönliche Habgier sich in Grenzen hielt, dass Herzenswärme vor Geisteskälte rangierte und – sehr gewichtig: – regierte!

 

Und noch etwas sei angemerkt: Viele, sehr viele Anzeichen sprechen dafür, dass die frühen Menschen keine Primitivlinge waren, keine dumpfen, in sich kreisenden, bewegungslos auf der Scholle hockende Müttervereine, sondern hellwache, intelligente Geschöpfe, die in weiten Teilen der Welt keinen Hunger kannten, jedenfalls ungleich weniger, als der weitaus größte Teil der heutigen Geschöpfe. Beschämend genug. Es gibt eine Theorie, wonach Frauen aus Indien über alle Weltmeere fuhren und in allen Kontinenten ihre Ackerbaukultur verbreiteten. Freilich: Die Ablösung durch das Patriarchat fand ziemlich sicher zu einer Zeit statt, in der das Matriarchat Schwächen zeigte und degenerierte.

 

Die Schrift wird erfunden. Ein sehr männliches Werkzeug.  Man kann Ideen und Geschehnisse festhalten und weitergeben, die schönen Unsicherheiten mündlicher Überlieferung – denken Sie an die Märchen – verschwinden. Aus die Weisheit wird der Logos, sprachlich eng verwandt mit Lüge. Bitte nicht falsch verstehen: Nicht Logos oder Logik gleich Lüge, aber beide Worte gehen auf die sprachliche Urwurzel ‚leg’ zurück.

 

Die griechische Schrift hat Wurzeln im Phönizischen und entsteht um 1000 vor Christus – alle Zahlen, die ich jetzt nenne, sind Annäherungen: Nirgendwo gab es bis gestern eine Schrift, und ab heute gibt es sie. Auf dem Balkan finden sich älteste Schriftzeichen, entstanden um 5000 vor Christus, in Mesopotamien datiert man das Entstehen von Schrift um etwa 4000 vor Christus. In China entstand die Schrift um das Jahr 2600 vor Christus. Ihr Erfinder soll Kaiser Huang-Tse gewesen sein, der die Schrift, man höre und staune, die schlimmste aller Erfindungen nannte. Ein Dichter sagt von ihm: „Huang-Tse weinte des Nachts; und er wusste, warum.“ Warum? Vermutlich, weil er ahnte, dass eine Unschuld verlorenging und die Schrift zu den Headlines der Klatsch-Presse von heute verkommen konnte. Und zu MEIN KAMPF von Adolf Hitler. In solcher Prophetie weinte der chinesische Kaiser Huang-Tse vor viereinhalbtausend Jahren.

 

Bei den Mayas in Mittelamerika entsteht die Schrift um 1000 vor Christus, welche Zahl mit noch größerer Vorsicht aufzunehmen ist; wir wissen zu wenig. Wahrheitsgemäßer und böser gesagt: Kolumbus und Genossen haben radikal zerstört und ausgerottet. Fast unmöglich ist die Datierung der Schriftzeichen auf den Riesendenkmälern der Osterinseln. Aber – und da komme ich auf ein höchst erstaunliches Phänomen – die Gelehrten sind sich ziemlich einig, dass nicht Einwanderer die Schrift auf die abgelegenen Inseln gebracht haben. Sie wurde offensichtlich dort erfunden.

 

Und das ist doch sehr merkwürdig, dass in den verschiedensten Weltregionen und von den verschiedensten Rassen Schrift erfunden wurde, und zwar in einem Zeitraum von, sehr rund gesagt, 4000 Jahren. Wir erinnern uns kurz an unsere Kalenderjahrprojektion; da sind solche 4000 Jahre rund 28 Sekunden. Dieses Phänomen von Gleichzeitigkeit ist meines Wissens noch kaum untersucht worden. Märchenforscher hatten ähnliche Erkenntnisse: Die gleichen Märcheninhalte und –motive finden sich auf der ganzen Welt in den verschiedensten Siedlungsräumen, ohne dass auch nur die Spur eines Nachweises von Berührung der einzelnen Kulturkreise und Rassen untereinander zu finden wäre.

 

Ich denke an den britischen Zellbiologen und Biochemiker, der freilich auch Philosophie studiert hat, Rupert Sheldrake. Von ihm stammen die Begriffe „morphogenetische Felder“  und „morphische Resonanz.“ Statt einer Erklärung eine amüsante Geschichte zum Thema: Meisen in England entdecken, dass sie durch Aufpicken des Aluminium-Verschlusses von Milchflaschen, wie sie morgens vor den Reihenhäusern stehen, eine Portion Milch trinken können. Dasselbe tun mehr oder weniger gleichzeitig und ganz erstaunlicherweise Meisen in Holland und Meisen in Schweden. Dabei muss man wissen, dass der Flugradius von Meisen kaum 15 Kilometer überschreitet.

 

Sheldrake konstatiert Ähnliches auch in der sogenannten leblosen Materie: Ist in irgendeinem chemischen Labor ein bestimmter, neuartiger Kristall entstanden, dann entsteht derselbe Kristall leicht und schnell auch in anderen Labors rund um die Welt. Es gibt viele Wissenschaftler, die diesem Sheldrake sehr misstrauen, sie meinen zum Beispiel, solche Übertragung sei durch Molekühle in Kleidung oder Barthaar der von Labor zu Labor reisenden Chemiker entstanden. Dazu bemerkt Sheldrake trocken: „Ich denke aber, dass meine morphogenetischen Felder plausibler sind als diese hypothetischen herumreisenden Wissenschaftler mit Molekülen im Bart.“

 

Als ein niederländischer Chemiker im höherem Management meinen Vortrag gehört hatte, sagte er mir, dass derlei Gleichzeitigkeiten auch in der Industrie eine Rolle spielten, mit oft absurden juristischen Folgen. Fast oder genau am selben Tag werden Patente angemeldet in Japan, Südafrika, USA und den Niederlanden für genau die gleichen Erfindungen. Natürlich schäumen die Bosse der Chemie-Giganten im gnadenlosen Konkurrenzkampf und schreien „Industrie-Spionage“! Aber die Gerichte stellen in mühsamster Klein- und Facharbeit fest, dass davon nicht die Rede sein kann, sondern nur von globaler, unerklärbarer Gleichzeitigkeit.

 

Sheldrake findet es auch nicht so ohne weiteres selbstverständlich, dass Kinder der ganzen zivilisierten Welt plötzlich flinker und geschickter mit Computern umgehen als ihre stöhnenden, schwitzenden Väter. Sheldrake behauptet – letztendlich bewiesen ist es nicht -, dass es eine wie immer übertragbare Gleichzeitigkeit gibt, wenn es darum geht, Neues weltweit zu etablieren. Ich weiß, dass ich hier reichlich stümperhaft expliziere und formuliere. Ich stoße da immer wieder an die Grenzen meiner Möglichkeiten und will mal lieber zusehen, dass ich das Schiffchen meines Vortrages wieder in gesichertere Fahrwässer bugsiere.

 

Die Erfindung der Schrift also, weltweit, – sie erlaubte es den Männern festzuhalten, was sie über Frauen denken. Meine Damen und Herren, das Folgende ist teilweise so beschämend, diese Verbiesterungen aus Hilflosigkeit und Unfähigkeit, mit dem Geheimnis Frau zu leben und auszukommen. Ich weiß, wie heikel jegliches Zitieren immer ist: Sinnzusammenhänge mögen verloren gehen, tendenziös ist es allemal. Sei’s drum: Ich werde jetzt also tendenziös.

 

Was Platon in seinem Werk DER STAAT abliefert – jetzt setze ich ein dickes Ding hin! – grenzt an Faschismus. Ich zitiere: „Nur die besten Männer und Frauen dürfen Kinder zeugen, andere Kinder, die gegen den Willen des Staates gezeugt und ausgetragen wurden, werden ausgesetzt.“ „Die Neugeborenen – wohlgemerkt: Die vom Staat erlaubten Neugeborenen! – werden den Müttern weggenommen und kommen in ein Säuglingshaus. Kommen die jungen Mütter, wenn sie von Milch strotzen, sorgen die Wärterinnen dafür, dass keine Mutter ihr eigenes Kind erkennen kann.“ Zitatende, Platon, das reicht, – ich sage nur: MannMannMannMann!

 

Platons Schüler Aristoteles: „Ein Weibchen ist wie ein verkrüppelter Mann… Der Same des Mannes allein besitzt die formende Kraft und Wärme, aus dem Leben hervorgeht.“ MannMannMannMann…

 

2500 Jahre später plakatiert Sigmund Freud die Frau als „kastrierten Mann mit dem defekten Genital,“ weshalb sie ewig Penis-Neid fühle. MannMannMannMann!…

 

Sprechen wir gleich auch vom Gebärneid des Mannes. Früher und heute wohl noch bei manchen Stämmen fühlten und fühlen die Männer einen brennenden Gebärneid. Weltweit verbreitet war die „Couvade“, vom französischen Wort für Brüten hergeleitet. Die Männer spielten, wenn die Frau kurz vor der Entbindung stand, Kindbett und Wehen und brachten Steine zur Welt. Teilweise jagten sie sogar die Frau zur Geburt aus dem Haus und ließen sich selbst im falschen Kindbett pflegen. Dies natürlich erst nach Etablierung des Patriarchats. Recht interessant die Stellungnahmen der Feministinnen dazu. Die einen sagen: Das sieht ihnen ähnlich, jetzt wollen sie uns auch noch unser letztes Privileg beschlagnahmen. Die anderen sagen: Wenigstens ein winziges Anzeichen von Mitleid, wenn auch ein sehr männlich-verspieltes. Biologie und Medizin meinen übrigens, dass die Leistung, die eine Mutter beim Vorgang der Geburt eines Kindes erbringt, von einem Mann kaum zustandegebracht werden könnte.

 

Kleiner Exkurs zu Pallas Athene, Tochter des Gottvaters Zeus. Er versenkte die von ihm geschwängerte Göttin Metis in seinen eigenen Bauch und brachte in den Anfängen des dicksten Patriarchats Pallas Athene selbst zur Welt. Aber sehr bezeichnenderweise: Er brachte sie aus dem Kopf zur Welt, eine Kopfgeburt. Zwar ging es dabei auch recht dramatisch zu, aber für Blut, Schweiß und Schmerzen einer Schoßgeburt à la Frau war sich der Göttervater wohl zu schade. Und die Dame kam auch gleich vollgepanzert und mit einem Speer zur Welt. Sie blieb zeitlebens Jungfrau, was nicht hinderte, dass sie einen Sohn hatte. Nebenbei bemerkt: Die Jungfrauenzeugung und –geburt ist in der Tier- und Pflanzenwelt durchaus bekannt, heißt Parthenogenese. Pallas Athene ist ein Mythos, der in der natürlichen Welt durch nichts nachvollziehbar ist. Der Feminist sagt: Die Kopfgeburt entspringt typisch männlichem Wunschdenken.

 

Ich fahre mit dem Macho-Zitaten fort und komme zu Tertullian, Kirchenvater im 2. Jahrhundert. Ich zitiere: „Weib, du bist das Höllentor. Du solltest immer in Trauerkleidung und in Fetzen bekleidet sein, deine Augen gefüllt von Reuetränen, um die Männer vergessen zu machen, dass du die Zerstörerin der Menschheit bist.“ MannMannMann! Das ist der Geist – Verzeihung: Der Ungeist, aus dem Jahrhunderte später die Hexenverbrennungen ausgebrütet wurden. Dass nur wenig von Folterungen und Hinrichtungen männlicher Hexer berichtet wird, dass auf der Täterseite ausschließlich Männer agierten, auf der Opferseite aber fast ausschließlich Frauen zu leiden hatten, sei nachdrücklich angemerkt.

 

Meine Tochter fragt sich, welch erstaunliches Wissen – und Wissen ist Macht – die Frauen wohl besaßen, um einer dermaßen zerstörerischen Verfolgung zum Opfer fallen zu müssen. Auch dieses Wissen ist in den Flammen aufgegangen und für immer verloren.

 

Weiter geht’s mit dem Heiligen Augustinus, den ich ansonsten so liebe. Von ihm stammen die wunderbaren Imperative: „Liebe!, und tu, was du willst!“ Er hat drei Worte angehängt, die sehr trostreich sein können: „Auch die Sünden.“ Und er hat das gewagteste Gebet gesprochen: „Herr, gib mir Keuschheit, – aber noch nicht gleich.“ Und dann sagte derselbe Mann, beim Anblick eines Kindes, das nach der Brust der Mutter verlangt, empfinde er als den Inbegriff menschlicher Sündigkeit. MannMannMannMann.

 

Schopenhauer: „Zu Pflegerinnen und Erzieherinnen unserer ersten Kindheit eignen die Weiber sich gerade dadurch, dass sie selbst kindisch, läppisch, kurzsichtig, mit einem Wort, Zeit Lebens große Kinder sind, eine Art Mittelstufe zwischen dem Kinde und dem Mann, welcher der eigentliche Mensch ist.“ MannMannMann, Chauvihauer- verzeihen Sie diesen etwas faulen Witz!

 

Und schließlich Friedrich Nietzsche, der vor mehr als hundert Jahren schriftlich festhielt: „Du gehst zu Frauen? – Vergiss die Peitsche nicht. Also sprach Zarathustra.“ Hier hat mich ein Nietzsche-Kenner auf die ganze Problematik des Zitierens hingewiesen. Diesen Satz hat Friedrich Nietzsche allerdings geschrieben, und er wird immer wieder als Nietzsche-Satz zitiert. Er legt ihn aber nicht dem Zarathustra in den Mund, sondern einem alten Weiblein, dem Zarathustra begegnet ist und das ihm viel über Frauen erzählt hat. Danke für den Hinweis.

 

Weitere Nachforschungen meinerseits ergaben, dass es für diesen Satz von den Frauen und der Peitsche eine Ergänzung, sozusagen eine Gebrauchsanweisung gibt, die Nietzsche uns freilich vorenthalten hat. Er hat hier nämlich seinerseits zitiert. Und zwar die englische Autorin und sehr frühe Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, 1759 bis 1797. Was denn? Eine Frau sollte das geschrieben haben? Jawohl. Und sie meinte, diejenigen Frauen verdienten die Peitsche, die ihr gesellschaftlich auferlegtes Sklavinnendasein bejahen. Nietzsche verschweigt uns sowohl, dass und wen er zitiert hat, als auch, dass es sich um Sklavinnenmoral handelt. Wie auch immer: Der Imperativ „Vergiss die Peitsche nicht!“ ist fatal, vor allem, wenn er in Unkenntnis der Umstände am Stammtisch von grinsenden Spießern zitiert wird. Ich setze dem entgegen, dass ich auch zu Sklavinnen ohne Peitsche gehen würde, wenn ich überhaupt zu Sklavinnen ginge. Damit ende ich meine Zitatenlese. Und wenn ich summa summarum bedenke, in welchem Maße sie alle, die ich zitiert habe, von Plato über Schopenhauer bis Nietzsche unser abendländisches Denken bestimmt haben, dann kann es mich schon ganz schön gruseln.

 

Ich versuche, eine Summe des von mir Vorgetragenen zu ziehen. Alice Schwarzer hat seinerzeit mit größtem Elan und Echo den kleinen Unterschied postuliert. Ich postuliere hier und heute den großen Unterschied.

 

Der Unterschied zwischen Frau und Mann ist so radikal und fundamental, wie er nur sein kann. Frauenhirn und Männerhirn unterscheiden sich gründlichst; sehr vereinfachend gesagt: Männer denken linear, Frauen in Zirkeln, die Verbindungen zwischen linker und rechter Hirnhälfte sind bei den Frauen viel zahlreicher und stärker als beim Mann. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf Sprache und Verständnis unter den Geschlechtern. Als Max Frisch im Zenith seines Ruhmes stand, sagte seine alte Mutter zu ihm – ich zitiere aus dem Gedächtnis -: „Hör auf, von Frauen zu schreiben, du verstehst sie nicht.“

 

Vor ein paar Jahren erschien bei Rowohlt ein Buch des Psychotherapeuten Wolfgang Schmidbauer mit dem lapidaren Titel: DU VERSTEHTST MICH NICHT – Ausrufezeichen! Der Verfasser postuliert die These, dass es zwischen Mann und Frau überhaupt nur Liebe geben kann, aber keine Verständigung. Fast genauso argumentiert die Amerikanerin Deborah Tannen mit einem ähnlichen Titel: DU KANNST MICH NICHT VERSTHEN! Untertitel WARUM MÄNNER UND FRAUEN ANEINANDER VORBEIREDEN: Alles, was Mann oder Frau sagt, hört Frau oder Mann gänzlich anders. Deshalb wären Abstoßung, Scheidung, Trennung, Kampf, Desinteresse völlig selbstverständlich und von Dauer, wenn es nicht ab und zu die Sternsekunden der Liebe und inniger Sexualität gäbe. Wir sollten jede Übereinstimmung, auch die kleinste, als das Wunder erkennen, das es ist. Die Spannungen aushalten, das Geheimnis akzeptieren. Natürlich stehen nun gleich die Sätze im Raum, die alle mit „Ja, aber.“ – anfangen.

 

Im Pathos der Zwanziger Jahre sprach Martin Buber so eindringlich vom „Ungetüm der Anderheit.“ Das ist es doch: Ich, das Monster, mit dem meine arme Frau verheiratet ist! Gerechterweise sei sogleich nachgeschoben: Meine Frau, das andere Monster mit dem ich verheiratet bin! Aber Buber sagte auch: „Einander reichen die Menschen das Himmelsbrot des Selbstseins.“ Einander gehört zu den Worten der deutschen Sprache, die ich sehr liebe. Seine Verwechslung mit „sich“ ist eine besonders sinnverkehrende Sprachschlampigkeit. Setzt man „sich“ statt, „einander“ in den Satz von Martin Buber ein, wird das ganz deutlich: „Sich reichen die Menschen das Himmelsbrot des Selbstseins.“ Nein. Schrecklich! Von zwei Liebesleuten zu sagen, dass sie sich lieben – das mag wohl stimmen, denn jeder Mensch nennt eine gehörige Portion Selbstliebe sein eigen. Aber wenn zwischen zwei Liebesleuten auch nur ein Fünkchen Austausch stattfindet, dann lieben sie nicht sich, sondern einander, was ein höchst beachtlicher Unterschied ist.

 

Wohin mit uns? Was ist der Mensch? Zoologen definieren uns als eine von 193 lebenden Affenarten, die am höchsten entwickelte Art, sicher, aber was heißt das schon? Die Griechen, denen man ja trotz meiner boshaften Zitatenlese und meiner Ausfälle gegen Gottvaters Kopfgeburt den großen Geist nicht absprechen wird, antworteten auf die Frage, was der Mensch denn sei: „Das Tier, das lacht.“ Und Molìere sagt: „Je mehr einer lacht, desto mehr ist er Mensch.“ Manchen Mönchen des Mittelalters galt das Lachen als Sünde. Eine Studie der Universität Gießen belegt, dass heutzutage in armen Ländern sehr viel herzlicher gelacht wird als in unseren Breiten der – einigermaßen florierenden Wirtschaft!

 

Die Anthropologie hält fest, dass die menschliche Sprache singulär ist in der Welt der Lebewesen. Sprache, wohlgemerkt, nicht Verständigung, die üben signalgebend auch Walfische und Delphine und fast alle anderen Lebewesen aus. Und noch ein Aperçu, das vielleicht ein bisschen mehr ist als eine Seifenblase: Was ist der Mensch? Die Hälfte eines Liebespaares. Erkennen wir uns und einander als grundlegend unvollständig und ergänzungsbedürftig. Ich glaube, es ist Matthias Claudius – ich habe die Quelle vergeblich gesucht – der seiner Frau schreibt: „Ich war wohl klug, dass ich dich fand.“

 

Es ist viel die Rede von der Frauen Integration und Gleichberechtigung. Meine Damen!, warum wollen Sie die gleichen Rechte wie die Männer, wenn diese Rechte reihenweise fragwürdig sind? Ja, in der Werbung sieht das wunderbar aus, wenn die Karrierefrau auf dem Erster-Klasse-Flugzeugsitz den Laptop öffnet und genauso computert wie die männlichen Kollegen. Und wenn sie dann noch im einsamen Hotelzimmer die angepriesene Lotion in die müden Falten schmiert – was soll denn da passieren? Es passiert eine Perversion. Ich will um Himmelswillen diesen Karrierefrauen nicht pauschal den Respekt versagen, aber Integration der Frau in die bestehenden Zustände bedeutet Anerkenntnis einer Männerwelt mit furchtbaren Schiefigkeiten und Scheußlichkeiten, denen jedes Alibi verweigert werden sollte: Denken Sie an die gegenwärtige Finanzkrise. Haben Sie von Managerinnen gehört, die lauthals ihre horrenden Boni einklagen? Von Bankdirektorinnen, die mit lautem Bla – bla -bla ihre Unschuld und Verantwortung beteuern? Ich nicht. So ein Wort wie „Leerverkäufe“ kann meiner Meinung nach eine Frau gar nicht denken, das ist die Sumpfblüte eines Männerhirns. Die ganze Finanz-Misere ist eine einzige Männerschweinerei.

 

Im Matriarchat wurde die Integration des Mannes in die Frauenwelt versäumt, wohl weil Wort und Faktum Vater unbekannt bleiben – und ziemlich gewiss auch unterdrückt wurden, als irgendwelche Ahnungen davon schon vor 10.000 Jahren aufkamen. Die Integration des Vaters, der zu dienen weiß, in eine viel weiblicher orientierte Gesellschaft als die unsere, wäre meiner Meinung nach ein Ziel – aufs innigste zu wünschen. Solches Dienen ist das Gegenteil von Knechtschaft: Es ist Freiheit als – nach Hegel – Einsicht in die Notwendigkeit. Das Wort Frau meine Herren, hängt mit den Worten Freude und Froh und Fröhlich zusammen. Wo bleibt denn bloß unser Humor? Ich setze, langsam endend, ein Hölderlin-Zitat, vier Worte: „Wir sind ein Gespräch.“ Um genau zu sein: Wörtlich heißt es: „Nun ein Gespräch wir sind und hören können voneinander…“ Von einander hören…Dieses Gespräch ist mehr als der Austausch verständlicher oder – wie behauptet wird – unverständlicher Sätze – Gespräch als Liebe.

 

Ich komme zum Ende und zu dem Text, von dem ich am Anfang sprach. Mein Vortrag hat ein ziemliches Alter. Inzwischen gibt es den Text, ein Lesestück. Bei Abfassung des Vortrages habe ich ihn zu schreiben versucht, und um seinetwillen alle diese Studien betrieben. Es gab damals von diesem Text nur einen Titel und einen Schlussdialog. Der Titel: DIE KOMÖDIE VON DER WELT IN ERWARTUNG DES MENSCHEN. Und den Schlussdialog zwischen dem Erzengel Gabriel und dem Schöpfergott.

 

Als ich damals meine Frau bat, diese Gabriel-Texte zu lesen, wusste ich noch nicht, dass Gabriel ein ganz besonderer Engel ist in der himmlischen Heerschar. Er ist nach uralter Überlieferung die einzige Frau unter den Engeln und besitzt 140 Paar Flügel. Welch eine erfreuliche Überraschung für uns, die Rolle nicht einfach so selbstherrlich besetzt zu haben, sondern im Einklang mit den Traditionen der Mystik. Der Schlussdialog also zwischen dem Erzengel Gabriel und dem Schöpfergott, der nach langer Abwesenheit – er war vermutlich bei der Schöpfergöttin – zu seinen himmlischen Heerscharen zurückkehrt:

 

„Du bist derartig abgemagert, großer Gott, – war es denn so schwer, den Menschen zu erfinden?“

„Ja.“

„Aber jetzt ist alles in Ordnung?“

„Lieber Erzengel Gabriel, bitte verschone mich mit deinen Vorstellungen von Ordnung!“

„Ich meine ja nur: Sind die Menschen denn nun fertig?“

„Nein. Sie können kommen.“

 

Teil 1

Peters Klappentext zu diesem Vortrag

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