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Peters Klappentext hierzu

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Er: DIE VIERTE SZENE spielt in der Wüste Mampane
Überschrift:
WIE DER GEISTKASTEN VERLORENGING
Sie: Gottvater stand in der Wüste Mampane an der Stelle, wo der Horizont ein einziger geschlossener Kreis ist, keine Senke, kein Hügel, geschweige denn eine Oase. Und er sagte:
Er: >Es ist ein Mangel in der Welt.<
Die himmlischen Heerscharen fühlten sich angesprochen und landeten in großer Zahl beim Herrn.
Sie: Erzengel Michael rief: >Zu Diensten, Herrgott, alle Mängel zu beheben.<
Er: Aber Gott sagte: >Das könnt ihr nicht. Es fehlt der Schöpfung die Krone.<
Sie: Erzengel Gabriel sagte: >Nein, diesen Mangel beheben, – das können wir nicht.<
Michael wandte ein: >Aber du hast doch aus Freude über die Erfindung der Krone vor über 100.000 Jahren im Südlichen Apfelgarten schon getanzt?!<
Er: Gott hockte sich in den Sand: >Das war zu früh getanzt. Ich bin sehr einsam.<
Sie: Luzifer sagte, wie immer ein wenig aufmüpfig: >Es ist schon sehr beleidigend, ewiger Vater, angesichts himmlischer Heerscharen die große Einsamkeit zu beklagen, in der du hockst.<
Er: Gott haderte nicht mit solchem Vorwurf: >Geistkästen. Warum komme ich immer wieder auf die Geistkästen zurück? Und warum erschrecken sie mich zugleich? Was hat Kali gegen das Prinzip Geistkasten, und was will sie mit der Kupferscheibe zwischen den Jade-Obelisken?<
Sie: Der protokollierende Luzifer hatte die Scheibe ja gesehen und erinnerte sich: >Sie sah sehr schön aus, wie sie das rote Licht der sinkenden Sonne einfing und auf die dunkelgrüne Jade spiegelte.<
Er: Aber Gott war unzufrieden: >Schön hilft uns nicht weiter. Lasst uns ‚Gesetzt den Fall’ spielen.<
Sie: >Au ja!< riefen die Engel. Das spielten sie gerne. Einer fing gleich an: >Gesetzt den Fall, da sitzt so ein Adam mit seinem Sohn am Ufer der Außenalster und -<
Er: >Moment!,< unterbrach Gott, >wer ist Adam?<
Sie: >Die Krone. Ich nenne die Krone mal eben Adam.<
Er: >Gut. Und was ist Außenalster?<
Sie: >Ein Fluss, der sich zum See weitet in einer großen Stadt. Es gibt da noch eine Binnenalster, aber die ist kleiner und an der sitzt es sich nicht.<
Er: >Gut. Da sitzt also ein Adam mit seinem Sohn – Aber wieso hat er einen Sohn? Ich will nicht noch ein Tier! Geistkästen mögen meinetwegen Adam heißen und an Alstern sitzen, aber sie haben keine Söhne.<
Sie: Erzengel Gabriel mahnte sanft: >Herrgott, die Spielregel lautet: Gesetzt den Fall. Und da ist jeder Fall erlaubt.<
Er: Der Herrgott brummte: >Also gut – weiter.<
Sie: >Der Sohn findet eine Feder. Und Adam erklärt ihm, dass sie aus dem Gefieder einer Alster-Ente stamme und dass damit vor dem Zeitalter der Computer geschrieben werden würde. So hätten die Poeten mit den Vogelfedern teilgehabt an der Erschaffung der Welt.<
Er: Der Herr war beeindruckt: >Erzengel Michael, wenn sie nun keine Feder finden, – was tust du, damit der Fall gesetzt werden kann?<
Sie: Erzengel Michael sagte: >Ich würde eine Feder aus meinem linken Flügel reißen und vor die Augen des Jungen schaukel-flatter-schweben lassen.>
Er: >Bravo!< rief der Herr. Und die himmlische Heerschar echote: >Bravo!<
Sie: Gabriel stellte fest: >Adam selbst hat also keine Flügel?<
Er: >Nein.<
Sie: >Und kann also nicht fliegen.<
Er: >Doch.<
Sie: >Wie das?<
Er: >Das ist nicht ganz leicht zu erklären.<
Sie: >Versuch es, Herrgott.<
Er: Gottvater hub an: >Also, ein Schneider baut sich Flügel, schnallt sie sich auf den Rücken und springt vom Turm des Münsters.<
Sie: >Was ist Münster?<
Er: >Eine Stadt.<
Sie: >Also springt der Schneider vom Turm der Stadt.<
Er: >Nein, das Münster steht in Ulm.<
Sie: >Was ist Ulm?<
Er: >Auch eine Stadt.<
Sie: >Dann steht die Stadt Münster also in der Stadt Ulm.<
Er: >Nein. Das eine Münster ist nicht das andere Münster. Vom Turm des Münsters in Ulm springt der Schneider in den Tod.<
Sie: Luzifer fragte sehr misstrauisch: >Bist du ganz sicher?<
Er: >Nein, sicher bin ich gar nicht. Er sprang nicht in den Tod, sondern in die Donau.<
Sie: >Was ist Donau?<
Er: >Der Fluss, der durch die Stadt Ulm fließt.<
Sie: Ein denn doch sehr skeptisch gewordener Gabriel rekapitulierte: >Sprang der Schneider mit angeschnallten Flügeln vom Turm des Münsters – was immer das sein mag – in die Donau.<
Er: >Nein, nicht vom Münsterturm, sondern von der Adlerbastei.<
Sie: >Und?<
Er: >Nichts und. Er wird nass und klettert ans Ufer. Aus. Flugversuch misslungen.<
Sie: >Und was passiert mit den Flügeln?<
Er: >Weiß ich nicht.<
Sie: >Interessiert uns Engel aber sehr.<
Er: >Auch nass. Er soll sie abgeschnallt und zum Trocknen aufgehängt haben.<
Sie: >Ist das Alles, was du über Adams Flüge weißt?<
Er: >Nein, ich packe ihm noch einen Ingenieur ins Gehirn.<
Sie: >Hast du dem Specht auch so einen Ingen – dings ins Gehirn gepackt?<
Er: >Nein.<
Sie: >Sagtest du, es sei nicht ganz leicht zu erklären, wieso Adam fliegt?<
Er: >Ja.<
Sie: >Du hattest Recht.<
Er: >Ächz,< machte Gott und stellte fest: >Das führt Alles so weit weg von den Geistkästen. Es gibt einen Engel namens Hilf-mir-mal. Wo ist er?<
Sie: Sehr erstaunt meldete sich inmitten der himmlischen Heerscharen ein kleiner Engel: >Hier bin ich. Mein Name ist Hilf-mir-mal.<
Er: >Ich, dein Herr, bin ratlos, Engel, hilf mir mal. Mach deinem Namen Ehre.<
Sie: Der kleine Engel fand vor lauter Ehrfurcht kaum Worte: >Ich kleiner Engel dir großem Gott? Wie sollte ich dir helfen?<
Er: >Erzähl irgendwas über die Krone der Schöpfung.<
Sie: >Also sie – also er heißt also Adam. Und lass ihre Kinder lange Kinder sein, damit die Kleinen die Großen schön erziehen. Und erfinde Pfützen, wenn der Regen aufhört. Kinder brauchen Pfützen!<
Er: Gott war mit solchem Rat nicht glücklich: >Kinder, Söhne!… Ich will den Geistkasten und nicht noch ein Tier!<
Sie: >Ach so,< sagte der kleine Engel ein wenig enttäuscht, >also wenn es keine Kinder gibt, dann weiß ich auch keinen Rat. Dann heiße ich nicht mehr Hilf-mir-mal. Dann bin ich ab sofort der Engel mit dem Namen Weiß-auch-keinen-Rat…<
Er: Es muss irgendwie im Plan der Schöpfung in einer winzig winzig kleinen Falte verankert worden sein, dass wir jetzt eine Pause machen.
Er: Wir fahren nach der Pause fort in unserer Ratlosigkeit. Wir sind noch immer in der Wüste Mampane im Jahre 4.046.614. Gott sagte: >Ich komme mit euch nicht weiter.<
Sie: Der Erzengel Gabriel fragte: >Woran könnte das nur liegen?<
Er: Und Gott schloss: >Ganz gewiss an meiner Einsamkeit.><
Sie: Erzengel Michael verlor, wie es gelegentlich geschah, kurz die Contenance: >Hör auf mit deinem Einsamkeitsgejammer! Los, her mit Kali!<
Er: Gott lehnte das entschieden ab: >Aber die 1,7 Millionen Jahre sind – das sind noch Äonen, bis wir uns wieder treffen!<
Sie: >Das machts spannend. Her mit Kali! Oder hin zu Kali! Jetzt!<
Er: Erzengel Luzifer war in der Pause über die Asiatische Sause geflogen. Jetzt landete er wieder in der Wüste Mampane und verkündete:
Sie: >Schönen Gruß von Kali. Sie haben deinen Geistkasten verpustet. Einfach in den Monsun gehoben, war ganz leicht, und er sei leider am Himalaya zerschellt.<
Er: Gott war sehr irritiert: >Aber den Geistkasten gibt es doch noch gar nicht!?<
Sie: Luzifern beirrte das nicht: >Schönen Gruß, wie gesagt. Aber er sei leider zerschellt an der Südostflanke des Nanga Parbat kurz oberhalb vom Basislager drei. Offenbar sei er nicht sehr strapazierfähig gewesen.<
Er: Gott verschwand, und ein Rudel asiatischer Tiger fauchte über die Wüste und brachte die himmlischen Heerscharen Jahwes durcheinander, Kali mitten unter ihnen, aber kaum zu erkennen. Nur ihr langgezogener Ruf bretterte über den flachen Sand:
Sie: >Jahwe… – Sehnsucht… – Jahwe… – Sehns…<
Er: Kaum war sie verschwunden, war Gott wieder da und sagte ganz leise: >Ich weiß von mir als einem Weibe, das durch den Ganges schwimmt.<

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