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Dieses Selbstporträt fand ich beim Ordnen von Peter Podehls Spencer-Papier-Archiv voller Drehbücher, Manuskripte, Szenarien, Briefwechsel, Stablisten und vorläufigen Drehfolgen.Die 100. Spencer-Folge sollte gefeiert werden.
Die Frage nach meinem Beruf

In Hotels schreibe ich auf den Anmeldezettel  “Regisseur”. In einer Geschäftsreisenwelt, in der die Wirtschaft weithin den Ton angibt, verschafft so ein Begriff wie Regisseur einen eigentümlichen, vielleicht ein wenig anrüchigen Respekt; man neigt hinter dem Rezeptionstresen zu einem zarten Lächeln, wie es Professionen wie Manager, oder Kaufmann oder Ingenieur nie auslösen. Und Lächelnauslösen ist eine meiner liebsten Beschäftigungen, – es darf auch ein Lachen sein.Schriebe ich Spieler auf das Anmeldeformular, würde der Nachtportier vielleicht ans Spiel-Casino denken und gäbe mir das schlechteste Zimmer. Dabei wäre Spieler eine gute Berufsbezeichnung für mich – also nicht im Dostojewskischen Sinne, als Roulette-Abhängiger. Nein, Spieler im Sinne der Spiele, die Kinder spielen. Man denke  doch nur, welch ausgedehnten Umgang mit Puppen ich im hohen Mannesalter habe. Jahr für Jahr – bald sind es zehn – schrieb ich Spencer-Puppenspiele, bald sind es 100 an der Zahl.

Ach ja, Autor, könnte ich mich auch nennen. Dazu findet sich in der Wortschatzkiste was Schönes über die Herkunft: Autor kommt von lateinische auctor, gehört zu augeo, und das heißt: ich ziehe groß, ich vermehre, ich befördere. So hievt mich das Wörterbuch im Seitenumdrehen in die Position eines Lehrers, ja Vaters.  Ergibt mit Regisseur und Spieler und Kind eine schöne, wenn auch etwas wirre Mischung.

Lassen Sie mich noch ein wenig fortfahren mit der Aufzählung möglicher Berufsnamen für das was ich tue: Autor wird mit Urheber übersetzt, und manchmal habe ich wirklich das Gefühl, schwere Spielgewichte aus dem Urschlamm zu heben. Nicht weit vom Urheber die Hebamme (würde ich natürlich nie auf das Anmeldeformular eines Hotels schreiben). Was tut sie Wunderschönes? Sie bringt zur Welt. Ich gehöre zu denen, die seit vielen Jahren Kinder-Unterhaltung zur Fernseh-Welt bringen. Vielleicht wecke ich in erwachsenen Lesern tief verschüttete Kindheitserinnerungen an Fernseh-Serien, wenn ich aufzähle: Die Höhlenkinder, Märchen- und Liederraten mit Kasper und René auf dem Dachboden und im Hinterhof, Lemmi und die Schmöker, und Spaß am Dienstag mit Zini. Und nun feiern wir die 100. Folge des guten alten Spencer im 1. Programm.

Mein Zahnarzt fragt mich gelegentlich, ob es mir denn nicht größte Schwierigkeiten macht, stets neue Einfälle zu haben. Ich antworte mit einem Vergleich: ein Kind spielt fast von seinem ersten Lebenstag an bis ins dreizehnte, vierzehnte Lebensjahr hinein tagtäglich; alte bewährte Spiele wechseln mit neuen, gänzlich unerforschten ab. Aber um Einfälle zum Spielen ist ein Kind nie verlegen; sollten Anzeichen  in dieser Richtung auffällig werden, dann nagt eine Krankheit an seiner Seele. Um Einfälle bin ich auch nie verlegen. Aber – hingegen – jedoch: Die Konzentration zu erlangen und zu erhalten, die Kinder meist mühelos in den Schoß fällt, – das ist meine schwerste Arbeit, um die muss ich oft genug händeringend flehen. Es ist sehr schwer, die Barrieren zu beseitigen, die die Einfälle hindern einzufallen, das Handwerk auszuüben, das aus Einfällen schließlich Sendungen macht, – da fließt mein Schweiß. Natürlich nicht nur meiner. So viel Spiel im Spiele ist, – beim Produzieren einer Fernseh-Serie entfallen alle Freiheiten, die Kinder beim Spielen haben.

Wäre ich ein ordentlicher Mensch, wüsste ich, wo ich die Originalworte vom großen Theatermann Max Reinhardt fände; als unordentlicher Mensch kann ich sie nur sinngemäß wiedergeben: Schauspieler sind Menschen, die rechtzeitig vor dem Erwachsenwerden ein Stück Kindheit in die Tasche gesteckt haben, von dem sie ein Leben lang zehren und guten Gebrauch machen. Dass manch einer dabei etwas kindisch ist und bleibt, muss als Nebenwirkung in Kauf genommen werden. Reinhardts Wort gilt auch für alle Autoren, Regisseure, Kinderunterhalter.

Kinderunterhalter könnte ich auch als Beruf angeben. Ich habe hohen Respekt vor guter Unterhaltung. Im besten Falle bedeutet sie Gespräch, bedeutet sie In-Bewegung-Setzen von Gedanken, dann kann sie gute Erziehung sein.

Spencer ist – wenn bei oben erwähnter Konzentration alles gut geht (vor Flops sind auch wir so wenig geschützt, wie alle anderen Bilder-Macher auch), Geschichtenspender, ein Spiegel der unterschiedlichsten Stärken und Schwächen der Menschenseele, und als so ein Spiegel ist er gelegentlich auch ein Bescheidwisser über Auswege aus Kümmernissen und Nöten.

Leute! – Spencer sagt immer: Leute: – kleine und große, wir nehmen euch ernst! Deswegen, so hoffen wir, habt ihr bei uns viel zu lachen.

 Peter Podehl über sich selbst – 1949

One Response to “Sagte er selbst über sich”

  1. Manuela scrive:

    Ich stimme Herrn Podehl zu. Auch ich bin nie richtig erwachsen geworden und halte meine Kindheit fest. Es ist toll dass es so schöne Berufe gibt, in denen man das “Kind sein” weiterhin bewahren darf. Und “Hallo Spencer” ist ein großer Teil meiner Kindheit. Er gehört zu meinem Leben. Und da bin ich Herrn Podehl sehr sehr dankbar für!!!

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