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Karime bezeichnete ihn als

‘praktizierenden Pazifisten’

 

Klaus Naeve (Karl Gustav)

Wir waren inmitten der Dreharbeiten zu der Fernsehserie “Hallo Spencer”, in denen Peter Podehl ein von ihm verfasstes Drehbuch inszenierte. Seine Ehefrau Charlotte verweilte, wie meist in jedem Jahr, ein paar Tage mit am Set. Sie saß inmitten des Studios in einem Regiestuhl direkt neben Peter, als dieser, von ihr nicht bemerkt, aufstand, um hinter den Kulissen etwas zu regeln. Vor ihren Stühlen war ein großer Röhrenmonitor aufgebaut, auf dem die produzierten Takes zur Abnahme vorgeführt wurden. Nach einer kleinen Weile setzte sich Joachim Hall, der den “Spencer” gab, in Peters Stuhl und wartete, wie alle anderen umsitzenden und stehenden Akteure, auf die Vorführung der soeben produzierten Szene. Alle anderen Beteiligten waren hinter Joachim und Charlotte, die noch nicht bemerkt hatte, dass nunmehr Joachim neben ihr saß. Die jetzt startende Einspielung der zuvor gedrehten Szene ergriff Charlotte so sehr, das sie, für alle Umstehenden sichtbar, Joachim Halls linke Hand nahm und diese fest drückte. Joachim wußte nicht, wie ihm geschah, aber er spielte diesen Liebesbeweis amüsiert mit und wartete, wann denn Charlotte bemerken würde, wen sie da ergriffen hatte. Es vergingen die Sekunden und auch Peter stand nunmehr hinter den beiden und beobachtete das Geschehen.

Sein amüsierter Blick Richtung Charlotte war voller Sanftmut. Als sie nach gefühlt langem Moment ihren Blick Richtung Peter alias Joachim wandte, erschrak sie mit einem kleinen Aufschrei. Peter lachte, ging zu ihr und nahm sie liebevoll in den Arm.

 

Achim Hall (Spencer)

Klaus erzählt eine Geschichte, die mir noch sehr gegenwärtig ist, denn Charlottes Griff war doch so eindrucksvoll, daß ich ihn noch spüre, wenn  ich den Vorgang erinnere… (Bin mir aber nicht sicher, ob es nicht doch der rechte Arm war?). Eindrucksvoll, weil ich so direkt fühlte, mit welcher Begeisterung  — für ihren Peter, seine Arbeit und die Akteure — sie teilnahm, wenn sie uns besuchte.

Und ich mochte seine Reaktion, sein gerührtes Lachen, die liebevolle Geste und seinen lakonischen Kommentar.

Lakonisch auch manche Regieanweisungen im Studio.
Beispiel:
P.P.: (unsicher, ob das Mikro wieder funktioniert, drum sehr laut):   Aaarbeeeeten !!!
Hans, Ü-Wagen (sehr laut, mit Rückkopplung):  Das Mikrofon geht wieder !!!!
P.P.: Wer sagt mir sowas – und soo?!
Hans: Ich.
P.P.: (sehr leise ins Mikro)  Ach, Hans !  …   Arbeeten!
Wilhelm (mit Elvis hinter der Spielleiste): Herr Podeeehel?!
P.P.: Arbeeten, Wilhelm!
Willi: (soll laut Drehbuch zwei Sprossen der Leiter erklimmen) Herr Podeeeehel !!!
P.P.: Mach mal, Wilhelm!
Willi: Herr Podeeehl, kann ich die Leiter ein Stück weiter…
P.P.: Mach mal, Wilhelm.
Willi: Dann könnte ich ein paar Sprossen mehr….Herr Podehl.
P.P.: Mach mal, Wilhelm.
Willi: …Und dann auf der anderen Seite …..
P.P.: Mach mal, Wilhelm.
Willi:  ….runterfallen, Herr Podeeehl  ?
P.P.: Mach mal Wilhelm.
Willi: (macht vor, klettert mit Elvis bis zum Gipfel der Klappleiter, fällt auf der anderen Seite sehr effektvoll mit Aufschrei abwärts)
Charlotte neben Peter lacht laut.
Willi: (stolz) Soo, Herr Podeeeehl!?
P.P. (kleine Pause, sehr lakonisch): Lass mal, Wilhelm.
Willi: Bitteeee???
P.P.: Lass mal, Wilhelm – (und leise zu Charlotte:) Heißt ja nicht “Die Leiter”, diese Folge….

 

Armin Maiwald: “Macht doch was ihr wollt”

Ich war eine ganze Weile Assistent bei ihm, später dann ‚Kollege’, abwechselnd in der Regie haben wir ja dann zusammen die ersten Folgen von „Hallo Spencer“ gemacht.

Und obwohl wir ziemlich lange zusammen gearbeitet und uns wirklich gut verstanden haben, ist es nie zu einem vertraulichen „Du“ gekommen. Was in diesem Beruf schon ziemlich selten ist. Bei den meisten Produktionen duzt man sich nach allerkürzester Zeit. Da ist es fast schon ‚anrüchig’, wenn jemand mit „Sie“ angesprochen wird. Da denkt man unwillkürlich: jetzt ist Ärger im Busch.

Ich kann mich über die ganze Zeit aber an niemanden erinnern, mit dem sich Peter Podehl geduzt hätte. Andererseits haben ihn alle ausnahmslos aber auch immer respektvoll mit „Herr Podehl“ angeredet. Nicht mal zwischen Peter René Körner und ihm gab es das. Dabei haben die beiden doch unendlich viele Sendungen gemacht.

Eine Winzigkeit, die häufig vorkam, ist mir noch in Erinnerung geblieben:

Das meiste war damals ‚live’ oder wurde wie ‚live’ aufgezeichnet. Das Schneiden der Magnetaufzeichnungen war zu Anfang gar nicht so einfach. Es gab also die Stellproben mit der Kamera, dann die Durchlaufproben und schließlich wurde dann aufgezeichnet. Und wie immer kamen kurz vor der Aufzeichnung noch Leute und wollten etwas ändern, am Licht, am Ton, am Kostüm, an was auch immer.

Peter Podehl hörte sich das alles geduldig an, entschied dies und jenes bei den ersten 5, 6 Änderungsvorschlägen oder Wünschen. Irgendwann schien er es aber dann dicke zu haben, dann sagte er nur noch: Ach, macht doch, was Ihr wollt. Und verzog sich in den Regieraum. Dann war Ruhe im Karton. Manchmal, heute, wenn mir bei einer Produktion der Boden unter den Füssen brennt, fällt mir das wieder ein, und es ist auch schon vorgekommen, dass ich plagiiert und selbst gesagt habe: Dann macht doch, was Ihr wollt.

 

Claudia an Armin Maiwald:

Die Sache mit dem DU scheint irgendwie überall ein Thema gewesen zu sein.

Mein Vater erzählte mir mehrmals die Geschichte vom Spencer-Team, wo er alle mit du anredete, und alle mit Sie konterten. Das störte ihn irgendwie, aber es schien irgendwie auch nicht möglich, das zu ändern.

Er sprach darüber auch mit meinem Bruder Thomas, der dann sagte: “Das musst du akzeptieren, das ist ihre Art der Achtung und der Liebe zu dir.” Und so blieb es dann.

Ich gehöre eher zu den unkomplizierten Italienern, die auch selten Sie zueinander sagen, weshalb ich ziemlich bald alle Spencers, die ich ja alle erst nach Abschluss der Hallo-Spencer-Produktionen kennen gelernt habe, ohne größere Formalitäten geduzt habe. In diesem  Sommer in Berlin (das war 2010, wenige Monate vor seinem Tod) trafen wir uns mit Achim und Lorenz, und da kam dann das du auch zu meinem Vater problemlos über die Lippen.

Und eine Frage: Kam es denn dann, wenn er sagte: ‘macht doch alle, was ihr wollt’, zu einer sendereifen Aufzeichnung?

 

Armin Maiwalds Antwort:

Natürlich kam es dann zu einer sendereifen Aufzeichnung, jedenfalls wenn nicht eine Riesenpanne passierte und jemand mit der Kamera in die Dekoration knallte. Nein, der Spruch hatte etwas Sonderbares: man wusste nie so ganz genau, sollte das jetzt ein Scherz sein oder war das ernst gemeint. Irgendwie war es für alle ein Signal: So, jetzt ist Schluss mit lustig und mit Änderungen, jetzt wird das so gemacht, wie bis hierher geprobt. Jedenfalls zogen dann alle den Schwanz ein, trollten sich, und wenn noch unbedingt was geändert werden musste (z.B. am Licht), dann taten sie das, ohne ihn weiter zu nerven.

Und noch mal zum ‚Du’: Bei ‚Spencer’ zum Beispiel hat er ja häufig gesagt: „Du, Poldi, mach das doch ein bisschen weiter rechts“, wobei er damit die Figur und nicht die Person des Spielers ansprach. Ich glaube, so haben die das auch verstanden. Auch bei ‚Kasper und René’ war das so. Und ich glaube, das „Herr Podehl“ war sicher eine Art Ehrfurcht im guten Sinne, er strahlte einfach eine Autorität aus, die jeder akzeptierte.

 

Pressemitteilung

Schauspieler, Autor und Regisseur Peter Podehl gestorben

Peter Podehl (*3. Januar 1922) ist tot. Der Schauspieler, Autor und Regisseur verstarb am Donnerstag, den 7. Oktober 2010 im Kreis seiner Familie in Italien. “Er ist so gegangen, wie er gelebt hat – ruhig und gelassen”, teilte seine Tochter Claudia mit. Die Trauerfeier hat bereits stattgefunden.

Podehl zeichnete als Autor und Regisseur an zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mit, unter anderem an den Puppenspielformaten “Hase Cäsar”, “Kasper und René”, “Lemmi und die Schmöker” und “Hallo Spencer”. Mit Peter Podehl starb einer der letzten Pioniere des Fernsehpuppenspiels und ein wichtiger Wegbereiter für unsere Kunst in den Massenmedien. Sein Wirken hat dem Puppenspiel in den 60er und 70er Jahren einen enormen Aufwind verliehen.

Weitergehende Informationen über das Leben und Werk Podehls bieten Wikipedia und die Homepage des Künstlers, www.stadtroman.de.

Gerd J. Pohl

Theater im Puppenpavillon & Piccolo Puppenspiele
Künstlerische Leitung: Gerd J. Pohl

Postanschrift: Kaule 36, 51429 Bergisch Gladbach
Besucheradresse: Am Pangenfeld / Schulhof, 51429 Bergisch Gladbach
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